Ana Brnabic: Serbien bekommt die erste offen lesbische Ministerin

Ana Brnabic
NALED

Serbien hat sein erstes offen homosexuelles Regierungsmitglied. Premierminister Aleksandar Vučić von der nationalkonservativen Serbischen Fortschrittspartei (SNS) hat die offen lesbische Ana Brnabic zur Ministerin für die öffentliche Verwaltung ernannt. Die Bestellung erfolgte im Zuge einer Regierungsumbildung, nachdem die Mitte-Rechts-Regierung von Vučić durch die vorgezogenen Wahlen am 24. April bestätigt wurde.

„Sie spricht stolz darüber“

Aus der sexuellen Orientierung von Brnabic möchte Vučić offenbar kein großes Thema machen. Er sei „nicht interessiert an ihrer privaten Orientierung“, sagte er Journalisten. Er habe mit der 40-Jährigen aber auch über ihre Homosexualität gesprochen: „Sie versteckt es nicht, sie spricht stolz darüber. Sie ist so nett und charmant, und sie hat mir gesagt: ‚Wenn dich das stört – ich bin mir sicher, jeder wird jetzt darüber reden.‘“

Doch davon scheint sich der serbische Regierungschef nicht beeindrucken zu lassen: „Wenn sie mir etwas Schlechtes über ihre Arbeit sagen können, sagen sie es mir. Ich bin nur an den Ergebnissen interessiert, die sie in dem schwierigen Job, der vor ihr liegt, bringt. Sie ist voll Energie und ich freue mich darauf, mit ihr zu arbeiten“, so Vučić weiter.

Vor ihrer Bestellung als Ministerin arbeitete Ana Brnabic, die in Großbritannien und den USA Betriebswirtschaft studierte, unter anderem für NALED Serbia, einer staatlichen Agentur zur Förderung der lokalen wirtschaftlichen Entwicklung. Mit ihrer Hilfe soll Serbien seine internationale Wettbewerbsfähigkeit stärken.

Zuletzt war sie Direktorin des serbischen Ablegers des US-Windenergieunternehmens Continental Wind Serbia (CWS), weiters arbeitete sie auch mehrere Jahre für die US-Entwicklungshilfeagentur USAID.

Lage für LGBT in Serbien sehr schwierig

Und auch, wenn Premierminister Aleksandar Vučić die sexuelle Orientierung von Brnabic herunterspielt, ist ihre Bestellung ein deutliches Zeichen in einem Land, in dem LGBT-Rechte keinen hohen Stellenwert haben. So wurde Homosexualität erst im Jahr 1994 legalisiert. Gleichgeschlechtliche Partnerschaften können nicht eingetragen werden, die Ehe ist in der serbischen Verfassung als Verbindung von Mann und Frau festgeschrieben.

Im Jahr 2010 endete die Belgrade Pride in gewalttätigen Angriffen rechtsextremer Gruppen, bei denen 150 Menschen verletzt wurden. Aus Angst vor weiteren Ausschreitungen haben die Behörden in den Jahren 2011, 2012 und 2013 die Belgrade Pride verboten. Erst auf Druck der Europäischen Union, deren Mitglied Serbien werden möchte, haben die Behörden die LGBT-Parade geschützt und gefördert.

Dementsprechend freut sich auch der serbische LGBT-Verband „Gay Straight Alliance“ über die Bestellung von Ana Brnabic. Diese sei ein „großer Schritt auf dem Weg zu einer Gesellschaft mit gleichen Chancen, die die Gleichheit und Fähigkeit von Menschen schätzt, unabhängig von ihrer sexuellen Orientierung, Geschlechteridentität oder anderen persönlichen Merkmalen“.

Die Bestellung von Ana Brnabic ins serbische Kabinett werde „ohne Zweifel zu einer größeren Akzeptanz und Verständnis für die LGBTI-Community“ führen, ist der Verband überzeugt. Die Angelobung soll in den nächsten Tagen stattfinden.