Deutsche Studie zeigt: So homophob sind Flüchtlinge

Zahlen zeigen, woran bei der Integration gearbeitet werden muss

Regenbogenflagge
Archiv

Für Schlagzeilen sorgte am Wochenende in Deutschland eine nicht repräsentative Studie, die von der Berliner Hochschule für Medien, Kommunikation und Wirtschaft (HMKW) unter Flüchtlingen durchgeführt wurde. Eines der Ergebnisse: Verglichen mit der deutschen Mehrheitsbevölkerung sind homophobe Ansichten unter Flüchtlingen derzeit häufiger verbreitet – aber viele Flüchtlinge sind bereit, sich in die deutsche Gesellschaft zu integrieren.

43 Prozent hätten ein Problem mit schwulen Nachbarn…

So hat die HKMW die Flüchtlinge unter anderem gefragt, ob sie ein schwules Paar als Nachbarn begrüßen würden. 43 Prozent haben angegeben, sie würden das nicht gut finden.  Verglichen mit den Zahlen, die andere Studien über die Einstellung der Mehrheitsbevölkerung in Deutschland erhoben haben, ist der Wert jener, die ein Problem mit homosexuellen Nachbarn haben, deutlich höher.

So lehnten nach einer 2013 durchgeführten Umfrage des Allensbach-Instituts 13 Prozent der Befragten homosexuelle Nachbarn ab, ähnlich auch der Wert der Shell-Jugenstudie 2015 mit 12 Prozent oder einer Umfrage des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen (KFN) aus dem Vorjahr. Hier fanden es 10,5 Prozent der Befragten „eher unangenehm“, neben Homosexuellen zu wohnen.

„In anti-liberalen Einstellungen zu (Homo-)Sexualität, Ehe und Partnerschaft, ja selbst zu Wohn- oder Lebensformen wie einer WG zeigen sich deutliche Unterschiede zwischen den Flüchtlingen und der deutschen Mehrheitsgesellschaft”, so die Studie. Immerhin würden auch 24 Prozent der befragten Flüchtlinge nicht neben einer Studenten-WG wohnen wollen, 18 Prozent nicht neben einem unverheirateten heterosexuellen Paar.

…und noch mehr Flüchtlingen wäre es einfach egal

Doch das ist nur die halbe Wahrheit: Insgesamt 57 Prozent der befragten Flüchtlinge würde mit schwulen Nachbarn kein Problem haben, ergab die Umfrage der HKMW ebenfalls: 46 Prozent gaben an, es sei ihnen egal, elf Prozent würden das sogar gut finden. Auch bekennt sich die deutliche Mehrheit der befragten Flüchtlinge zur Demokratie und fordert eine klare Trennung zwischen Kirche und Staat.

Deshalb haben die Autoren der Studie auch eine positive Botschaft: „Die überwiegende Mehrheit der Flüchtlinge möchte sich in die deutsche Gesellschaft integrieren und weiß, dass das großer Anstrengungen bedarf. Sie sind bereit, diese Anstrengungen zu schultern.“ Die Umfrage zeige: „Politische Bildungsarbeit und die Vermittlung liberaler, humanistischer Werte müssen im Mittelpunkt stehen.“

Für die Studie hat die HKMW im Juni und Juli Fragebögen in Farsi, Arabisch und Englisch in Berliner Flüchtlingsunterkünften verteilt. Davon kamen 445 zurück und wurden ausgewertet. Das Ergebnis der Studie ist nicht repräsentativ, vermittelt allerdings ein Stimmungsbild.