Historische Gay-Bar in London trotzt Immobilien-Haien

Großer öffentlicher Druck: Bauprojekt, das "The Yard" zerstört hätte, blitzte bei den Behörden ab

The Yard
The Yard

Immobilienentwickler sind normalerweise nicht besonders beliebt: Ihnen wird oft nachgesagt, dass sie Stadtviertel um ihre Seele berauben. In London hat sich eine solche Firma nun an einer Schwulenbar die Zähne ausgebissen.

„The Yard“ an der Rupert Street im Londoner Stadtteil Soho ist eine der bekanntesten und beliebtesten Schwulenbars der Gegend. Besonders beliebt ist der große Innenhof, in dem man an lauen Sommerabenden gemütlich zusammensitzen kann. Doch auf diesen Innenhof hat es ein Immobilienentwickler abgesehen.

Teure Wohnungen statt gemütlichem Innenhof

Die „Consolidated Property Corporation Limited“ stellte vor zwei Jahren ihre Pläne vor, in dem Innenhof drei Wohnungen zu bauen. Ein gutes Geschäft: Die Immobilienpreise sind in London extrem hoch, und Leute zahlen für jedes kleine Loch praktisch Unsummen. Doch da hat er die Rechnung ohne die Fans der Schwulenbar gemacht. Die machten gegen die Pläne mobil, starteten die Kampagne „Save The Yard“ und erreichten damit die Öffentlichkeit.

Die Baupläne wurden schlussendlich vom zuständigen Bezirksrat von Westminster abgelehnt. Die Begründung: Die Wohnungen würden das historische Lokal „grundlegend“ verändern, und die Pläne der Baufirma, eine Glasdecke über dem Innenhof zu montieren, würde ein „außerordentliches Merkmal der Bar“ zerstören. Denn Teil des Innenhofs sind der letzte Stall aus viktorianischer Zeit, den es in Soho noch gibt.

„Ein Edelstein in der Krone von Soho“

Der Immobilienentwickler versuchte, sein Projekt zu retten, und änderte die Pläne zwei Mal ab – doch beide Entwürfe rasselten bei der zuständigen Baubehörde ebenfalls durch. – sehr zur Freude von Robert Davis, dem Bezirksvorsteher von Westminster: „Soho ist eines der bekanntesten Viertel von Westminster, mit einem einmaligen Charakter, den jeder im Bezirksrat schützen will“, erklärt er. „‘The Yard‘ ist ein Edelstein in der Krone von Soho, und ich bin zufrieden, dass wir es gemeinsam mit den Stadträten und der Nachbarschaft geschafft haben, es offenzuhalten“, so Davis weiter.

Und auch Andy Jones, Inhaber der Bar, ist glücklich: „Es war ein sehr langer Kampf und wir sind so froh, dass er erfolgreich war. Die Unterstützung, die wir vom Stadtrat von Westminster, den Stadträten, Historic England, der Soho Society, Denkmalschützern, der LGBT-Community, Geschäften und Bewohnern der Nachbarschaft bekommen haben, war groß und unglaublich. Wir können gar nicht jedem genug danken.“

Als Dankeschön schmeißt „The Yard“ am 24. August eine große Party –  natürlich in der geretteten Location. Für jeden Gast gibt es dabei Sekt auf Kosten des Hauses, damit auf den Sieg richtig angestoßen werden kann. „Lang lebe ‚The Yard‘“, freut sich auch Jones.