Berlin: CDU-Nachwuchs konstruiert Skandal um Nina Queer

Weil sie die regierende SPD unterstützt, schießt sich nun die Junge Union Berlin auf die Drag-Queen ein

Nina Queer
SPD Berlin

Sarkasmus scheint für die Berliner CDU ein Fremdwort zu sein. Im Intensiv-Wahlkampf um das Abgeordnetenhaus schießt sich die Jugendorganisation der Christdemokraten nun auf die bekannt scharfzüngige Drag-Queen Nina Queer ein – mit Hilfe eines fünf Jahre alten satirisch-überspitzten Textes.

Nina Queer unterstützt SPD-Bürgermeister Müller

Queer ist eines der Testimonials für die regierende SPD unter Bürgermeister Michael Müller. Auf einem Plakat ist die Drag-Queen mit dem Slogan „Berlin bleibt frei“ zu sehen. Ein Hinweis darauf, dass auch nach dem offen schwulen Bürgermeister Klaus Wowereit die Berliner Sozialdemokraten für eine Stadt stehen, die für sexuelle Minderheiten offen ist.

Umfragen zufolge ist die SPD in der deutschen Bundeshauptstadt derzeit knapp vor der oppositionellen CDU – und die möchte nach 2001 wieder auf den Chefsessel im Roten Rathaus. Die Methoden dazu sind allerdings manchmal zweifelhaft: So hat die Jugendorganisation der Partei, die Junge Union (JU) ein altes Interview mit Nina Queer ausgegraben, um der SPD so zu schaden.

Sarkasmus off: Aus einer Glosse wird ein Skandal

Dabei versucht die JU, eine Minderheit gegen eine andere auszuspielen. In einer Kolumne, die Nina Queer im Jahr 2011 für die mittlerweile eingestellte Zeitschrift „Du & Ich“ schrieb, setzt sich die bekannte Berliner Drag Queen satirisch und überspitzt mit den rassistisch-sexistischen Stereotypen auseinander, mit denen Männer dunkler Hautfarbe oft bedacht werden.

Doch genau diese satirische Überspitzung blendet die Junge Union aus, wenn sie sich über den Text echauffiert, um einen Skandal zu konstruieren. Und so empören sich die Nachwuchs-Konservativen darüber, dass Nina Queer über afrikanische „Schulen, in denen bereits der fünfjährige Schokokrümel zum Sexmonster ausgebildet wird und lernt, wie man es den Westhäschen so richtig von hinten besorgt“ oder „146 schwarze Männer, nur bekleidet mit einem Bastrock und einem Knochen durch die Nase, allesamt mit ihren Händen kraulend an ihren übergroßen Genitalien“ schreibt.

Junge Union sieht sich als Verfechterin der Toleranz

Dass dies – ohne satirischem Unterton – vielleicht auch dem Bild einiger ihrer Wähler entsprechen könnte, so viel Selbstreflexion hat die Berliner CDU nicht einmal in ihrer Jugendorganisation. Stattdessen erklärt der Landesvorsitzende der Jungen Union Berlin, Christoph Brzezinski, der Beitrag überschreite „die Grenzen künstlerischer Freiheit. Nina Queer instrumentalisiert zur Belustigung ihres Publikums dumpfe rassistische Klischees, die sich keine demokratische Partei zu eigen machen sollte. Das ist nicht unser Verständnis von Weltoffenheit, Toleranz und Freiheit!“

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller von der SPD wird vom CDU-Nachwuchs aufgefordert „sich unverzüglich klar und deutlich von diesen Inhalten zu distanzieren“. Um den Sozialdemokraten zu schaden, wirft Brzezinski sogar Nina Queer Rassismus vor: „Ich erwarte von Michael Müller, Haltung zu zeigen gegenüber jedwedem rassistischen Gedankengut – erst recht, wenn es von der von ihm ausgewählten Botschafterin für Weltoffenheit und Toleranz verbreitet wurde!“, so der Berliner JU-Vorsitzender.

Reality Check: Negativ

Ob die Berliner CDU-Jugendorganisation im Gegenzug in ihrer weltoffenen und toleranten Haltung für die Öffnung der Ehe eintritt, ist nicht bekannt. Nina Queer hat zur Aussendung der Jungen Union noch keine Stellung genommen – und wird es vermutlich auch nicht tun. Stattdessen postete sie auf Facebook ein Foto ihrer selbstgezüchteten Tomaten. Was wahrscheinlich gehaltvoller ist als die Schimpftiraden der Christdemokraten.