Katar: Junger Schwuler festgenommen und von Behörden erpresst

19-jähriger Pole sollte Lockvogel für die Polizei spielen, um schwule Männer verhaften zu können

Luxy
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Ob Fußball-WM oder Formel 1: Das kleine Golf-Emirat Katar versucht gerade, bei der westlichen Welt Eindruck zu schinden. Doch wenn es um Menschenrechte geht, hört in dem Land schnell der Spaß auf. Das musste jetzt ein 18-jähriger Pole feststellen: Er wurde am Flughafen von Doha festgenommen, beleidigt und war zwei Monate in Haft – vor allem, weil er schwul ist.

Gegenüber dem englischsprachigen LGBT-Portal „Gay Star News“ schilderte Luxy – so ist der 18-Jährige in sozialen Netzwerken bekannt – nun, was ihm passiert ist, als er zum zweiten Mal in seinem Leben nach Katar reisen wollte. Als sein Flug aus Polen in Doha ankam, wurde er von den Sicherheitskräften am Flughafen weggebracht. Offiziell, weil es Probleme mit seinem Visum gab.

18-Jähriger wurde festgenommen und als Stricher beleidigt

„Sie haben mich in ein Verhörzimmer gebracht und haben mich gefragt, warum ich hierhergekommen sei. Sie haben mein Telefon genommen und haben angefangen, durch meine WhatsApp-Chats und Bilder zu scrollen“, erinnert sich Luxy.

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Eine Stunde später wurde er festgenommen. Der 18-Jährige erinnerte sich, dass ihn die Beamten gefragt hätten, ob er ein Mann oder eine Frau sei. Die nächsten zehn Tage verbrachte er in einer Einzelzelle im Zentralgefängnis von Doha. „Sie haben mir immer wieder gesagt, ich bin ein Prostituierter, ich komme aus einer schlechten Familie und sie haben über meine Instagram-Fotos gelacht.“

Festnahme, weil er Nacktfotos eines Katarers auf Instagram verbreitet hat?

Auch den wahren Grund seiner Festnahme will Luxy erfahren haben: „Sie haben mir gesagt, ein Typ aus Katar hat um meine Festnahme gebeten, weil ich sein Nacktfoto auf Instagram gepostet habe.“ Ob dieser Vorwurf stimmt, hat der junge Mann gegenüber „Gay Star News“ nicht verraten.

Insgesamt hat der 18-jährige Pole zwei Monate im Gefängnis verbracht. Sein Rechtsanwalt setzte sich inzwischen dafür ein, den jungen Mann nach Polen auszuliefern. Doch das war schwieriger als erhofft: „Mein Anwalt hat gesagt, die Person, von der die falschen Anschuldigungen kommen, widerruft diese nicht. Ich könnte zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt werden, wegen dem, was auf meinem Telefon war, und weil ich viele schwule Männer in Katar kenne und viele Bilder habe, die in diesem Land verboten sind – das alles wirft ein schlechtes Licht auf mich“, erinnert sich Luxy.

Polizei von Katar wollte ihn als Lockvogel für andere Schwule einsetzen

Nach 63 Tagen in Haft ließ ihn der Richter gegen die Zahlung einer Geldstrafe von 15.0000 Katar-Riyal, umgerechnet etwa 3.700 Euro, laufen. Die Behörden boten ihm an, mit ihnen „zusammenzuarbeiten“, indem er sich mit anderen schwulen Männer trifft, die dann verhaftet werden können. Luxy lehnte das Angebot ab.

Qatar✈️ Snapchat luxceejay

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Homosexuelle Handlungen sind in Katar ebenso wie Geschlechtsanpassungen verboten. Nach Artikel 201 des Strafgesetzbuchs aus dem Jahr 1971 wird „Sodomie“ – unabhängig vom Geschlecht – mit bis zu fünf Jahren Gefängnis bestraft. Das betrifft auch Ausländer: So wurde 1996 ein US-Bürger zu sechs Monaten Haft und 90 Peitschenschlägen verurteilt.

Nach zwei Tagen wurde er erneut festgenommen

Dass Luxy nicht zum Agent Provocateur werden wollte, zog ihm offenbar den Zorn der Polizei zu: Nach zwei Tagen in Katar wurde er erneut verhaftet. Diesmal, weil er „bei Snapchat und Instagram Make-up getragen hat“: Die Behörden hatten den 19-Jährigen offenbar weiter im Visier. „Sie haben gesagt, ich bin eine Frau und schaue wie eine Transfrau aus“, erinnert er sich.

„Nachdem der Papierkram erledigt war, haben sie mir die Wahl gelassen, ob ich bleiben will oder ausgewiesen werden soll. Ich habe mich entschieden zu bleiben und habe das Land verlassen, sobald ich es von selber konnte. Gott sei Dank hat mir der Richter kein Ausreiseverbot gegeben.“, erzählt Luxy „Gay Star News“.

Der Fall ist noch nicht abgeschlossen. Er wurde wegen „Cyberkriminalität“, unsittlichen Handlungen und Homosexualität angeklagt. Der Pole darf nicht mehr in die Staaten des Golf-Kooperationsrates einreisen. Dazu zählen neben Katar auch Bahrain, Kuwait, Oman, Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate. In all diesen Staaten ist Homosexualität verboten, in einigen steht auf gleichgeschlechtlichen Sex sogar die Todesstrafe. Beim Versuch, eines dieser Länder zu betreten, könnte Luxy sofort verhaftet werden.