Schweiz: Caipirinha-Dusche für schwulen Rechtspopulisten

Thomas Fuchs
SVP

Mit ihrer Politik gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender macht sich die rechtspopulistische Schweizer Volkspartei (SVP) in der Community nicht nur Freunde. Das musste nun Thomas Fuchs, der Vorsitzende der „Gay SVP“, bei einem LGBT-Festival in Bern feststellen.

Fuchs stand am Samstag beim „Gaywest“-Festival gerade beim Stand der „Gay SVP“, als ihn Unbekannte von hinten mit einem Caipirinha überschüttete. Der 50-jährige Politiker nahm die Attacke mit dem klebrigen Cocktail zum willkommenen Anlass, sich als Opfer zu stilisieren. Auf Facebook dankte Fuchs den „feigen linken Attentätern“, dass sie das Festival „mit dem Kauf des Drinks“ unterstützt hätten. „Toleranz stelle ich mir übrigens anders vor – aber was will man von gewissen Kreisen in dieser linken Stadt anderes erwarten“, jammerte der SVP-Politiker weiter.

Unmut der Community über die SVP ist nachvollziehbar

Ob es sich bei demjenigen, der Fuchs mit dem süßen Drink überschüttet hat, tatsächlich um einen „feigen linken Attentäter“ handelt, ist unklar. Die Person konnte nicht ausgeforscht werden. Grund, sich über die LGBT-Politik der SVP zu ärgern, gibt es allerdings mehr als genug. So möchte die rechtspopulistische Partei, die mit ihren Zielen ungefähr der FPÖ entspricht, in einer Volksabstimmung gleichgeschlechtlichen Paaren das Recht auf Stiefkindadoption wieder entziehen.

Auch hatte die SVP eine Volksabstimmung im Februar unterstützt, nach der die Ehe als Verbindung von Mann und Frau in die Schweizerische Verfassung aufgenommen werden sollte. Dieses Referendum scheiterte nur knapp mit 50,8 Prozent der abgegebenen Stimmen.

Pink Cross verurteilt Angriff aus Prinzip

Trotzdem hat Pink Cross, die größte Schwulenorganisation der Schweiz, den Angriff auf den offen schwulen SVP-Politiker verurteilt. „Auch wenn ich häufig nicht mit Thomas Fuchs Ansichten einverstanden bin, so erwarte ich doch einen gesitteten Weg, wie mit ihm oder der SVP umgegangen wird“, so Michel Rudin, Co-Präsident von Pink Cross: „Körperliche Angriffe, sei es Gewalt oder auch nur ein Bier über dem Kopf, erachte ich als unakzeptabel.“

Thomas Fuchs selbst versucht, der Situation doch noch etwas Positives abzugewinnen: Nach seinen Schimpfattacken auf die Linke kündigte er auf Facebook an, die 2 Franken Pfand für den Becher, in dem der Caipirinha war, der SVP zu spenden.