Bremen: Säureanschlag auf LGBT-Zentrum

Täter nahmen in Kauf, dass Kinder und Reinigungspersonal verletzt werden konnten

Hartmut Müller/Rat&Tat

Erneut hat es in Deutschland am Wochenende einen Anschlag auf ein LGBT-Zentrum gegeben. Gleich zwei Mal wurde das „Rat&Tat“-Zentrum in Bremen mit Buttersäure attackiert. Die unbekannten Täter nahmen dabei auch in Kauf, dass unschuldige Kinder verletzt werden hätten können. Auch wurde der Lichtschacht mit Federn verstopft.

Nach Angaben der Polizei haben die Täter während einer Veranstaltung im Café des Zentrums am späten Freitagnachmittag Buttersäure an die Fassade gesprüht. In der folgenden Nacht sei dann noch mehr Buttersäure dazugekommen, so ein Vorstandsmitglied von „Rat&Tat“. Bei dem Anschlag wurde niemand verletzt.

„Der oder die Täter nehmen billigend in Kauf, dass Putzkräfte und vor dem Haus spielende Kindern davon verätzt werden. Von der Beeinträchtigung aller Nachbarn und Gäste ganz abgesehen“, heißt es in einem Facebook-Posting des Zentrums vom Samstag.

Buttersäure ist eine ätzende Flüssigkeit. Sie ist farblos fällt vor allem durch ihren penetranten Geruch nach Fäulnis und Erbrochenem auf. Die Säure und damit auch der Geruch halten lange an, die übelriechende Flüssigkeit kann sich in allen Ritzen festsetzen. Ihren Namen hat sie, weil sie entsteht, wenn Butter ranzig wird.

Die beiden Säureanschläge waren nicht der einzige Versuch an diesem Wochenende, den Betrieb des „Rat&Tat“ zu behindern. Bereits Freitag in der Früh war der Lichtschacht des Zentrums im Bremer Ostertorviertel mit einer großen Menge Federn verstopft worden.

Die Behörden vermuten hinter dem Anschlag einen homophoben Hintergrund. Dem entsprechend führt die Abteilung für politisch motivierte Straftaten der Staatsanwaltschaft Bremen die Ermittlungen.

Das LGBT-Zentrum lässt sich durch die Anschläge nicht einschüchtern: „Wir bleiben standhaft und lassen uns nicht vertreiben, versprochen!“, so die Aktivisten von „Rat&Tat“ auf Facebook. Für die Aktivisten ist es nicht der erste Anschlag. So gab es auch schon Anfang 2016 einen Buttersäure-Anschlag auf das Zentrum.

Wie das Online-Magazin „queer.de“ berichtet, gab es außerdem letztes Jahr einen Farbanschlag auf das Café Kweer, das sich im „Rat&Tat“-Zentrum befindet. Auch würden immer wieder Tomatensauce oder Eier auf der Häuserfassade landen, so die Aktivisten des „Rat&Tat“ damals. Obwohl alle Zwischenfälle bei der Polizei angezeigt wurden, konnte nie ein Täter ermittelt werden.