Kardinal zu Schülern: „Pornos und Missbrauch machen homosexuell“

Für Óscar Andrés Rodríguez Maradiaga sind negative Einflüsse an Homosexualität verantwortlich

Óscar Andrés Rodríguez Maradiaga
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Irritierende Aussagen kamen von einem der engsten Vertrauten von Papst Franziskus: „Kein Mensch wird homosexuell geboren“, erklärte Kardinal Óscar Andrés Rodríguez Maradiaga aus Honduras am Freitag vor Schülern in der deutschen Stadt Münster.

Homosexualität ist nicht „Gottes Plan“, sondern „entwickelt sich durch negative Einflüsse“

„Jeder wird als Mann oder Frau geboren, um den anderen zu lieben – das ist Gottes Plan“, erklärt Maradiaga, der fließend Deutsch spricht, seine Sicht. Erst durch negative Einflüsse in der kindlichen und jugendlichen Entwicklung könne sich dem Erzbischof von Tegucigalpa zufolge „eine Homosexualität entwickeln“.

Und der Südamerikaner weiß auch genau, wie man nach Ansicht der römisch-katholischen Kirche schwul oder lesbisch wird: „Missbrauch, Vernachlässigung oder Pornografie können eine andere Orientierung bewirken“, ist sich der 72-Jährige sicher.

Dabei sollte das der Salesianerpriester eigentlich besser wissen – schließlich beendete er an der Universität Innsbruck ein Studium in Klinischer Psychologie und Psychotherapie und ist als Psychotherapeut Mitglied in der Europäischen Gesellschaft für Verhaltenstherapie.

„Sexualität sollte kein Hobby sein“

Trotzdem ist nur Heterosexualität für Maradiaga ein „Geschenk Gottes“. „Sie sollte aber kein Hobby sein, sondern Ausdruck von Liebe“, machte der hochrangige Geistliche seinen Standpunkt klar. Dafür brauche es „Bildung über die Information hinaus“, damit die „gute Nachricht der Sexualität im Mittelpunkt“ stehen könne.

Auch stellte sich Oscar Maradiaga in seinem Gespräch vor Schülern in der Marienschule in Münster gegen Regenbogenfamilien. „Wer Vater und Mutter sein will, handelt nach dem Plan Gottes“, wiederholte der 2001 zum Kardinal geweihte Südamerikaner den Standpunkt des Vatikans. Bereits im August 2008 hatte der Kardinal den offen schwulen Popsänger Ricky Martin kritisiert, weil dieser mit Hilfe einer Leihmutter zum Vater von Zwillingen geworden ist.

„Wenn Gott Priesterinnen gewollt hätte, wäre Maria eine geworden“

Kardinal Maradiaga erteilte im Gespräch mit den Schülern auch der Forderung, Frauen zum Priesteramt zuzulassen, eine deutliche Absage: „Wenn Gott gewollt hätte, dass Frauen Priesterinnen werden, dann hätte er die Gottesmutter Maria, die heiligste aller Frauen, zur ersten Priesterin gemacht“, so der Kardinal aus Honduras.

Im Vatikan hat Kardinal Óscar Andrés Rodríguez Maradiaga große Macht: Er ist einer von neun Kardinälen des „Kardinalrats“, der Papst Franziskus bei der Reform der römisch-katholischen Kirche berät. Von 2007 bis 2015 war er Leiter der Caritas Internationalis, der Dachorganisation der nationalen Caritas-Organisationen.

Missbrauchsskandal als „jüdische Verschwörung“

Doch das hindert ihn nicht, regelmäßig irritierende Aussagen zu treffen: So versuchte er, den Missbrauchsskandal in der römisch-katholischen Kirche als jüdische Weltverschwörung darzustellen. Juden würden die Berichte aufbauschen, um vom israelisch-palästinensischen Konflikt abzulenken, so Maradiaga. Später entschuldigte sich der Geistliche für diese Aussagen.

Auch die Verwendung von Kondomen lehnt der 72-Jährige Kardinal ab. „Der Gebrauch von Kondomen verhindert die Übertragung von Aids nicht“, erklärte er 2009 in einem französischen Magazin. Dass in seiner Heimat Honduras bei 17 Prozent der Bevölkerung Mittelamerikas allerdings 60 Prozent der neu gemeldeten HIV-Infektionen gemeldet werden, scheint den Purpurträger nicht zu stören.