Schwules Paar wegen Kuss von Bodyguards aus Lokal gezerrt

Betreiber meint, die beiden hätten zu wild herumgemacht - eine Zeugin dementiert das

Kory Kalanasy und Martin Andersen
privat

In Zürich ist ein schwules Paar aus einem Pub geworfen worden, weil es sich geküsst hat. Der Betreiber behauptet, die beiden Männer hätten sich unangemessen verhalten – doch eine Zeugin widerspricht.

Im Mai Verlobung bei Adele-Konzert

Der US-Amerikaner Kory Kalanasy und sein dänischer Freund Martin Andersen sind ein glückliches schwules Paar. Beruflich leben sie seit einem Jahr in Zürich und fühlen sich dort sehr wohl. Im Mai dieses Jahres krönten sie ihre Liebe – als der 23-jährige Kory bei einem Adele-Konzert mit Hilfe der Sängerin vor 13.000 Zuschauern um die Hand seines fünf Jahre älteren Freundes anhielt.

Beim Verlobungskuss jubelte ihnen das gesamte Publikum zu. Doch woanders in der Stadt hat man mit der Liebe von Kory und Martin offenbar ein Problem. Das mussten sie am Wochenende im „Nelson Pub“ im Zentrum der Schweizer Stadt feststellen.

Nach Schmatzer auf den Mund aus dem Lokal gezerrt

„Wir waren mit vier Freundinnen und Freunden an der Bar, hatten Getränke bestellt“, erinnert sich Martin Andersen gegenüber der Schweizer Tageszeitung „Blick“: „Dann gab ich Kory einen Schmatzer auf den Mund.“ Kurz darauf zerrten zwei muskulöse Türsteher das Paar nach draußen.

Dabei seien sie sehr aggressiv gewesen, erinnert sich das Paar. Warum sie aus dem Lokal geworfen wurden, verrieten sie ihnen zunächst nicht. Erst, als sie auf der Straße gelandet waren, brüllten die Muskelmänner das schwule Paar an: „Ihr wisst genau, warum. Haltet die Klappe!“

„Sie machten sich über uns lustig. Ich habe mich noch nie so gedemütigt gefühlt“, ärgert sich Kory über den Vorfall. Einschüchten wollen sie sich davon aber nicht lassen. „Wir lassen uns das Küssen nicht verbieten!“, erklärt er gegenüber „Blick“.

Betreiber: „Paar kam sich physisch näher“

Der Betreiber hat mittlerweile erklärt, das schwule Paar sei nicht aus dem Lokal geworfen worden, weil es sich geküsst hatte. Angaben des Türstehers zufolge seien sich die beiden Männer in einer Ecke des Lokals „auf eine physische Weise näher gekommen, wie wir dies auch bei heterosexuellen Paaren nicht akzeptieren“, heißt es in einer Stellungnahme.

Dem widerspricht eine Freundin des Paares. „Im Lokal lagen Hetero-Paare auf den Tischen und fummelten rum. Aber daran störte sich niemand“, erklärt die 21-jährige Samara, die bei dem Vorfall auch dabei war. Als sie bei einem Türsteher nachfragt, erklärt ihr dieser, dass sein Chef keine Fummeleien im Club dulde und dass sie keine Schwulen-Lesben-Bar seien.

Mittlerweile hat der Rausschmiss des schwulen Paares auch die Schweizer Politik erreicht. Die Gleichstellungsgruppe der Bürgerlich-Demokratische Partei (BDP) hat einen offenen Brief an die Betreiber des „Nelson Pub“ veröffentlicht. „Es mag vielleicht nicht in jedermanns Weltbild passen, wenn sich zwei Männer aus Liebe küssen. Doch in der Schweiz und vor allem in der liberalen Stadt Zürich sollte man damit professioneller umgehen können”, heißt es dort.