Todesdrohungen gegen offen schwulen Schiedsrichter

Auch nach einem halben Jahr Pause spürt der junge Spanier den Hass der Fußballfans

Jesús Tomillero Benavente
Instagram

Im Frühjahr 2015 hat sich der spanische Schiedsrichter Jesús Tomillero Benavente öffentlich als schwul geoutet. In der Folge wurde er beschimpft und bedroht, bis er seine Karriere am Rasen schließlich an den Nagel hängen musste. Nach einem halben Jahr Pause versucht er es wieder – und stößt wieder auf eine Mauer des Hasses.

Beschimpfungen statt Akzeptanz

Sein öffentliches Coming Out vor mehr als einem Jahr war eine Suche nach Akzeptanz: „Im spanischen Fußball gibt es viele versteckte Schwule, auch in der 1. und 2. Liga. Sie haben Angst diskriminiert zu werden, und das kann ich verstehen. Aber ich habe keine Angst mehr. Ich will nur respektiert werden.“, sagte er damals.

Doch stattdessen gab es weitere Beschimpfungen. Trauriger Höhepunkt war ein Spiel in der andalusischen Regionalliga, das Jesús Tomillero Benavente im Mai gepfiffen hat. Als er auf Elfmeter entschied, wurde das Publikum im Stadion unruhig, beschimpfte ihn. „Schieb dir das Tor in den Arsch!“, riefen die einen. Und die anderen lachten dazu.

Das war für den jungen Mann zu viel. Er hängte seine Leidenschaft an den Nagel, pausierte nach zehn Jahren Schiedsrichterkarriere.

Bei der zweiten Partie beschimpft, beleidigt und bedroht – weil er schwul ist

Jetzt, ein halbes Jahr später, wagte er sich wieder zurück aufs Spielfeld. Doch die Fans haben sich nicht geändert. „Bei meiner zweiten offiziellen Partie wurde ich wegen meiner sexuellen Orientierung beleidigt“, twitterte Tomillero Benavente vor wenigen Tagen.

„Tritt zurück oder stirb“, hieß es da, garniert mit dem Bild eines Mannes, der erschossen wurde. Eine andere Hass-Botschaft bestand aus dem Foto einer Waffe und den dazugehörigen Patronen. Und wieder ein anderer schrieb: „Wir töten dich mit Aids“.

Jesús Tomillero Benavente ist sich klar: Das Leben als erster offen schwuler Fußball-Schiedsrichter ist auch nach der Pause nicht einfacher geworden. Doch ans Aufgeben denkt er nicht. Noch nicht. Die Kraft dazu gibt ihm sein Freund, den er auf seinem Instagram-Account auch stolz herzeigt. Sein Rücktritt als Schiedsrichter wäre nicht nur seine persönliche Niederlage – sondern die einer liberalen Gesellschaft.