Darum wählen Lesben und Schwule in Berlin die AfD

Studie fragt nach den Wahlmotiven von LGBT bei der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus

Brandenburger Tor
Groman123/Flickr - CC BY-SA 2.0

Am Sonntag wählt die deutsche Bundeshauptstadt Berlin ein neues Abgeordnetenhaus. Doch wie wählen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender? Nach ihren Erhebungen zum Wahlverhalten sexueller Minderheiten bei der Wiener Gemeinderatswahl haben sich Forscher der Universitäten von Wien und Gießen nun dem queeren Wahlvolk Berlins gewidmet.

In Zusammenarbeit mit dem Berliner Lesben- und Schwulenverband (LSVD) wurde eine Online-Befragung durchgeführt, bei der mehr als 1.000 wahlberechtigte Berliner mitmachten. Das Ergebnis ist zwar nicht repräsentativ, gibt aber einen guten Querschnitt in die Motive, warum Lesben, Schwule, Bisexuelle oder Transgender eine bestimmte Partei bevorzugen.

33 Prozent wählen Grüne, CDU käme nicht ins Abgeordnetenhaus

Anders als bei der Umfrage in Wien gab es diesmal auch harte Zahlen: Demnach würden 33 Prozent der Befragten die Grünen wählen, 24 Prozent die Linken, 17 Prozent die derzeit regierende SPD. Auch die FDP käme mit neun Prozent der Stimmen in ein queeres Abgeordnetenhaus, sieben Prozent würden die AfD wählen. Peinlich: Die mitregierende CDU käme wie die Piratenpartei auf nur vier Prozent der Wählerstimmen und würde den Einzug ins Stadtparlament verpassen.

Der Schwerpunkt der Befragung lag – wie auch schon in Wien – auf den Motiven der Befragten: Welche LGBT-politischen Themen sind für sie wichtig, und warum wählen sie eine bestimmte Partei? Für die Wähler von Grünen (89 Prozent), SPD (86 Prozent), Linken (79 Prozent) und FDP (73 Prozent) ist die Öffnung der Ehe elementar wichtig – bei queeren AfD-Wählern beträgt dieser Wert nur 27 Prozent.

AfD-Wähler kämpfen nicht für die Ehe-Öffnung, sondern gegen Kriminalität und Flüchtlinge

Und während der Kampf gegen Homophobie, Transphobie und Diskriminierung bei Wählern von SPD, Grünen und Linken mit jeweils weit über 90 Prozent ein wichtiges Thema ist, dominiert für mehr als 97 Prozent der AfD-Wähler die Angst vor Gewalt und Kriminalität. Damit geht die Taktik der AfD, auf die Angst sexueller Minderheiten vor Muslimen zu setzen, zumindest in dieser Zielgruppe auf.

Das sieht man auch deutlich bei den Fragen nach den persönlichen Werteinstellungen: Während bei SPD, Grünen und Linken jeweils über 80 Prozent Asylsuchende nicht als Bedrohung sehen, liegt dieser Wert bei queeren AfD-Sympathisanten bei gerade 8,2 Prozent. Diese sind auch bei LGBT-Flüchtlingen kritisch: Gerade 50 Prozent der AfD-Sympathisanten sind der Meinung, dass diese besonders schutzbedürftig sind – bei den anderen Parteien liegt dieser Wert zwischen 70 (FDP) und 84 (Grüne) Prozent.