Schwule „degeneriert“: AfD lässt Abgeordneten fallen

Kay Nerstheimer hat bei der Berlin-Wahl ein Direktmandat für die Rechtspopulisten erkämpft

Kay Nerstheimer
AfD Lichtenberg

Seine Aussagen waren sogar für die rechtspopulistische „Alternative für Deutschland“ zu extrem: Wie jetzt bekannt wurde, verzichtet Kay Nerstheimer auf sein Direktmandat im Berliner Abgeordnetenhaus. Er war wegen zu enger Kontakte zur rechtsextremen Szene unter Beschuss geraten.

„Sollten wir derartiges Gedankengut in der Partei dulden, bekommen wir ein veritables Glaubwürdigkeitsproblem“, erklärte Alice Seidel, offen lesbisches Bundesvorstandsmitglied der AfD, der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Außerdem erregte ein Facebook-Posting, in dem er Lesben und Schwule als „degeneriert“ bezeichnete, für Aufregung.

Veröffentlicht wurde das Posting von der Facebook-Gruppe „Gegen die Alternative für Deutschland“. Die Gruppe hat einen Facebook-Kommentar veröffentlicht, den Nerstheimer am 5. Dezember 2014 auf dem Profil seiner Parteigenossin Beatrix von Storch verfasst hat. Darin ging es um eine Forderung des Grünen Bundestagsabgeordneten Volker Beck, die Benachteiligung von Lebenspartnerinnen bei einer künstlichen Befruchtung zu beseitigen. Der designierte Abgeordnete hat die Echtheit der Konversation mittlerweile indirekt bestätigt.

Homosexuelle sind „genetisch degenieiert“ und man muss Kinder vor ihnen schützen

„Die Natur sagt eindeutig, normal ist, was der Erhaltung der Art dient. Alles andere ist unnormal und und in diesem speziellen Fall genetisch gegeneriert! (sic!)“, macht Kay Nerstheimer gleich zu Beginn des Threads seine Meinung klar: „Vor so etwas muß man Kinder SCHÜTZEN!!!!“

Bei einem User, der sich dazu kritisch äußerte (und dessen Kommentar mittlerweile im Gegenzug zu Nerstheimers Ausführungen gelöscht wurde), vermutete der Politiker, dass „Sie eventuell selber zu dieser degenerierten Spezies gehören“. Es habe „schon seinen Sinn, dass sich Homosexuelle nicht vermehren können, so löscht die Natur Fehler im Programm“, erklärt der AfD-Politiker

Wowereit wird als „Partyprinzessin“ bezeichnet

In der nächsten Antwort bezeichnet der frisch gewählte Abgeordnete den ehemaligen Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit als „Partyprinzessin“, sieht seine Beleidigungen nicht als Pöbelei („Wenn Sie eine Ausbildungskompanie der NVA hinter sich haben, dann wissen Sie, wie sich so etwas anhört“) und fasst seine Weltsicht zusammen: „Gendefekt, degeneriert, egal wie man es dreht, es ist schlicht und ergreifend widernatürlich.“

Weiters meint Kay Nerstheimer, „dieses Verschurbeln der Schwulen über ihre widernatürliche Veranlagung“ sei „nur mit einer reflexartigen Faktenresistenz“ zu erklären. Es sei „kein Verdienst“, so der AfD-Politiker, „diesen Gendefekt zu besitzen“. Sexuellen Minderheiten empfiehlt er, „etwas leiser“ zu sein „und die normalen Menschen nicht mit Eurem Mist belästigen, dann klappt auch das Zusammenleben.“

Sogar für AfD-Homosexuelle zu extrem

Diese Äußerungen von Kay Nerstheimer sorgten sogar innerhalb der Rechtspopulisten für Unmut. Mirko Welsch, mit Partei-Kritik eher sparsamer Bundessprecher der „Homosexuellen in der AfD“ schrieb auf seinem Facebook-Profil, er erwarte sich „eine Erklärung und eine Entschuldigung“ von seinem Berliner Parteigenossen: „Solche dümmliche Phrasen sind nicht die AfD“, ist sich Welsch sicher.

Das Posting wurde nicht nur vom ehemaligen Vatikan-Funktionär David Berger geliked, Nerstheimer antwortete Welsch auch von seinem privaten Profil. Seine „flapsige Antwort“ war das Ergebnis eines „längeren Hin und Her, welches dann immer absurder wurde in den Unterstellungen und Antworten“, zitiert ihn das LGBT-Portal „queer.de“. Es sei ihm „völlig egal wie jemand orientiert ist! Er soll es aber bitteschön für sich behalten. Es interessiert niemanden und es ist auch keine Qualifikation für irgendwas.“ Dieser Kommentar ist öffentlich mittlerweile nicht mehr einsehbar.

Die Kommentare von Nerstheimer waren nicht die erste homophobe Aktion eines Berliner AfD-Aktivisten: Wie am Wochenende bekannt wurde, soll der AfD-Kandidat Jörg Sobolewski eine Regenbogenfahne gestohlen und verbrannt haben. Noch vor drei Wochen hatte der offen schwule AfD-Abgeordnete Frank-Christian Hänsel behauptet, niemand in seiner Partei sei homophob. Eine Aussage, die er nun wohl nicht mehr treffen würde.