Papst unterstützt Massendemo gegen Ehe-Öffnung

Angaben über die Zahl der Teilnehmer in Mexiko schwanken stark

Mexiko City
Alejandro Islas/flickr - CC BY 2.0

Mit weißer Kleidung und weißen Ballons haben am Samstag mehrere tausend Gegner der Ehe-Öffnung in Mexiko-City protestiert. Unterstützung haben sie dabei von einem anderen Mann in weiß bekommen: Papst Franziskus hat in Rom öffentlich seine Unterstützung für die Demonstranten ausgedrückt.

Gegen Ehe-Öffnung, Öffnung der Adoption und Lehrpläne

Es war ein großer Protestmarsch, der durch die mexikanische Hauptstadt ging. Die klerikal-konservative Gruppe „Nationale Front für die Familie“ hatte alle Kräfte mobilisiert, die gegen eine Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare waren.

Die Demonstranten wehren sich auch gegen das Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare sowie dagegen, dass Homosexualität und Transsexualität in den Schulen als Themen behandelt werden. So haben Teilnehmer auch Schilder mit der Aufschrift „Ein adoptiertes Kind braucht Mutter und Vater!“ hochgehalten.

Arbeitet die Katholische Kirche mit Unwahrheiten?

Dabei dürften es die Veranstalter mit dem achten Gebot – Du sollst kein falsches Zeugnis geben – nicht so genau genommen haben: Wie katholische Seiten berichten, fürchten sich römisch-katholische Geistliche vor einem „Zwang, Homosexuelle zu verheiraten“.

Auch nicht so genau nahmen es die Veranstalter mit der Zahl der Demonstranten. Von bis zu 400.000 Teilnehmern sprach Pater Hugo Valdemar, Sprecher der Hauptstadt-Diözese, am Tag nach der Demonstration. Eine hohe und eindrucksvolle Zahl, die allerdings von der Polizei nicht bestätigt werden konnte. Sie zählte nur 20.000 Demonstranten. Insgesamt 1.800 Polizisten schützten die Demonstration.

Viele Demonstranten waren in weiß gekleidet. Sie hielten religiöse Bilder, auf denen Maria, Josef und das gerade geborene Jesuskind zu sehen waren. „Ich denke, die Regierung will uns daran hindern, unsere Kinder so aufzuziehen, wie wir das wollen“, fürchtet die 38-jährige Hausfrau Miriam Garrido.

Präsident will Urteil des Höchstgerichts umsetzen und Ehe öffnen

Sie protestieren gegen den Plan des mexikanischen Präsidenten Enrique Peña Nieto, die Ehe in ganz Mexiko zu öffnen. Derzeit können gleichgeschlechtliche Paare nur drei von 31 Bundesstaaten des Landes sowie in Mexiko-City heiraten. Der Oberste Gerichtshof hatte allerdings ein Verbot der Ehe für homosexuelle Paare als verfassungswidrig verboten.

Nun möchte Peña Nieto Ordnung in das Rechtschaos bringen. Im Mai hat er angekündigt, die Ehe auch für homosexuelle Paare zu öffnen. Doch das ist nicht so einfach. Denn auch in Mexiko kämpft die römisch-katholische Kirche mit allen Mitteln, die ihr zur Verfügung stehen, gegen eine solche Öffnung der Ehe. Offiziell sind 80 Prozent der Bevölkerung Katholiken. Damit ist die Kirche ein enormer politischer Machtfaktor.

Papst feuert mexikanische Katholiken an

Und auch der ranghöchste Katholik mischt sich tatkräftig in die Debatte ein: Papst Franziskus, der schon als Kardinal von Buenos Aires mit scharfen Worten gegen die Ehe-Öffnung gewettert hat. „Ich schließe mich den mexikanischen Bischöfen an, die den Einsatz der Kirche und der Zivilgesellschaft für die Familie und das Leben unterstützen“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am Sonntag beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz.

Die Worte des Papstes würden ihn „mit Freude“ erfüllen, erklärte daraufhin der Erzbischof von Mexiko-City, Kardinal Norberto Rivera Carrera. In seinen Kirchen wurde die Botschaft von Papst Franziskus am Sonntag verlesen.

Wahlschlappe für Präsidenten wegen Ehe-Öffnung?

Dass die Opposition der römisch-katholischen Kirche zur Ehe-Öffnung politisch bedeutend ist, weiß auch Enrique Peña Nieto. Bei den Zwischenwahlen verlor seine „Partei der Institutionalisierten Revolution“ deutlich. Hauptgrund dafür ist laut Beobachtern der Einsatz des Präsidenten für die Öffnung der Zivilehe.

Im mexikanischen Kongress wurde das Vorhaben danach auf Eis gelegt. Auch die Demonstrationen am Wochenende dürften den Willen der Politik, die Ehe im ganzen Land für schwule und lesbische Paare zu öffnen, nicht gerade bestärkt haben. Dass auch einige hundert LGBT-Aktivisten gegen den Aufmarsch der Konservativen demonstriert haben, wiegt für die Abgeordneten wohl nicht so stark.

„Sie mögen die Mehrheit sein“, erklärt der mexikanische Schwulenaktivist Felipe Quiroz während einer dieser Gegendemonstrationen. „Aber nur weil sie die Mehrheit sind, können sie den Minderheiten nicht ihre Rechte verweigern.“ Ob er Recht behält, wird die Zeit zeigen.