Auch in Norddeutschland werden homosexuelle Paare künftig gesegnet

Evangelische Landeskirche spricht sich für eheähnliche Segnungszeremonie aus

Eheringe
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Die Anerkennung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften durch die Evangelischen Kirchen in Deutschland geht weiter: Nun hat auch die Nordkirche, Landeskirche für Hamburg, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern, die offizielle Segnung schwuler und lesbischer Partnerschaften beschlossen.

Keine Ehe: Kompromiss fand überwältigende Mehrheit

Den Beschluss fällte die Landessynode am Donnerstag auf ihrer Tagung im Ostseebad Travemünde mit großer Mehrheit. Von den 156 Mitgliedern stimmten nur drei gegen den Entwurf von Landesbischof Gerhard Ulrich, fünf Mitglieder der Synode enthielten sich der Stimme.

Demnach können sich homosexuelle Paare in einer Lebenspartnerschaft voraussichtlich ab Anfang November während des Gottesdienstes segnen lassen. Wie heterosexuelle Eheschließungen werden auch diese Segnungen in den Kirchenbüchern verzeichnet werden. Die bereits rund hundert durchgeführten Segnungen können als offizielle Verbindung nachträglich ins Kirchenbuch eingetragen werden.

„Nicht die Lebensform, sondern die Menschen werden gesegnet“

Liturgisch sollen sich die Zeremonien an den Traugottesdiensten orientieren – ohne so heißen zu dürfen. Mit diesem Kompromiss konnten die Befürworter einige Skeptiker beruhigen. Statt einer „Trauung“ führt die Nordkirche bei homosexuellen Paaren eine „Segnung von Menschen in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft“ durch. Ein Pastor kann eine solche Segnung zwar ablehnen, dann muss die Kirche aber für Ersatz sorgen.

Landesbischof Gerhard Ulrich machte in einer Stellungnahme klar, dass die Einführung der Segnung für schwule und lesbische Paare keine „Entwertung“ der Ehe sei: „Eine Amtshandlung – auch die Trauung – segnet nicht die Lebensform. Sondern: In ihr werden Menschen gesegnet, die sich miteinander auf den Weg machen“, so der Landesbischof.

Fünf deutsche Landeskirchen heißen homosexuelle Paare Willkommen

Die Nordkirche ist die fünfte der zwanzig evangelischen Landeskirchen in Deutschland, in der sich schwule und lesbische Paare in einem öffentlichen Gottesdienst trauen lassen können. Zuletzt hatte im April die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz die Segnungen eingeführt. Entsprechende Beschlüsse gibt es auch bei der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau, der rheinischen Kirche und der Evangelischen Kirche in Baden.

Entstanden ist die Nordkirche im Jahr 2012 aus einem Zusammenschluss der nordelbischen Kirche, die für Hamburg und Schleswig-Holstein zuständig war, sowie der in Mecklenburg-Vorpommern beheimateten Mecklenburgischen Kirche und der Pommerschen Kirche. In der nordelbischen Kirche gab es zu diesem Zeitpunkt bereits die Möglichkeit, homosexuelle Paare in Einzelfällen im Rahmen eines Gottesdienstes zu segnen.