Gläubige „reinigten“ Belgrad nach der erfolgreichen Parade

Mit Gebeten gegen den Schmutz der Homosexualität

Demonstration durch Belgrad
privat

Mitte September ist in Belgrad die vierte Lesben- und Schwulenparade in der Geschichte der serbischen Hauptstadt ohne Komplikationen über die Bühne gegangen. Dafür passierte einige Tage später etwas, das in unseren Augen durchaus seltsam klingt.

Zeremonie, um Belgrad wieder zu „reinigen“

So zog letzte Woche eine Zeremonie aus orthodoxen Priestern und Nonnen durch die Stadt, um Belgrad wieder zu „säubern“. Begleitet wurden sie dabei von dutzenden Gläubigen, die Kreuze oder Jesus-Bilder trugen.

Die Demonstranten gaben an, der Stadt nach dem „Sodom und Gomorra“ der Belgrade Pride die Stadt wieder rituell reinigen zu wollen. Dazu marschierten sie auf der Route der Parade, sprachen Gebete und sangen religöse Lieder. Dabei hielten sie Schilder hoch, auf denen homophobe Slogans wie „Homo-Schande nie in der Öffentlichkeit“, „Schande über Euch“ oder „Nie wieder“ standen.

„Sie wollen die nächsten Generationen verführen!“

Ein orthodoxer Priester sagte bei dem Umzug: „Warum mussten sie in die Öffentlichkeit gehen und eine Parade veranstalten? Warum? Ich sage euch, warum: Sie wollen die nächsten Generationen rekrutieren und verführen!“

Die Kirche hat in Serbien noch immer großen Einfluss auf Gesellschaft und Politik. Das zeigt sich auch an mangelnder Akzeptanz für Lesben, Schwule oder Transgender. So wurde Homosexualität in Serbien erst 2014 legalisiert. Es gibt in dem Land keine Eingetragenen Partnerschaften für gleichgeschlechtliche Paare.