Papst ruft Kirche auf, Lesben und Schwule zu integrieren

Doch mit den Rechten für sexuelle Minderheiten hat das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche nach wie vor ein Problem...

Papst Franziskus
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Papst Franziskus hat sich wieder für die Akzeptanz von Lesben und Schwulen in der römisch-katholischen Kirche ausgesprochen. Rechten von sexuellen Minderheiten steht die größte christliche Kirche aber nach wie vor ablehnend gegenüber.

„Genau das würde Jesus heutzutage tun“

Nach einer großen Reise in den Kaukasus sagte Franziskus auf der Rückreise nach Rom an Bord seines Flugzeugs, Lesben und Schwule dürften nicht aus der römisch-katholischen Kirche ausgegrenzt werden. Vielmehr müssten sie von den Gemeinden integriert, begleitet und „näher zu Gott“ geführt werden, so der Pontifex. Was genau er damit meinte, führte Franziskus nicht aus.

„Genau das würde Jesus heutzutage tun“, begründete das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche seine Aufforderung. Er selbst habe während seiner Laufbahn als Geistlicher „Homosexuellen oft die Hand gereicht“, so Franziskus. Als Beispiel nannte er einen Transgender aus Spanien, den er mit seiner Partnerin zu einer Audienz im Vatikan empfangen habe.

Allerdings stelle Homosexualität aus römisch-katholischer Sicht „keinen Grund zum Jubeln dar: „Sünde ist Sünde“, machte Franziskus seine Sicht klar.

Doch die Öffnung der Ehe bekämpft Franziskus weiterhin

Damit setzt Papst Franziskus seine Doppelstrategie im Umgang mit Homosexualität fort: Mitgefühl und Integration von Lesben und Schwulen, die sich dem kirchlichen Sinne gemäß verhalten, aber die strenge Ablehnung aller Rechte für sexuelle Minderheiten.

Nur 48 Stunden zuvor hat Papst Franziskus in der georgischen Hauptstadt Tiflis vor Ordensleuten erklärt, der größte Feind der Ehe sei die Gendertheorie: „Es gibt heute einen Weltkrieg, um die Ehe zu zerstören. Er wird nicht mit Waffen geführt, sondern durch ideologische Kolonisierung. Darum ist es wichtig, die Ehe vor diesen Kolonisierungen zu verteidigen“, erklärte er auf die Frage eines Teilnehmers.

Für Franziskus ist die Ehe-Öffnung ein Werk des Teufels

Auch hat der Heilige Vater vor etwas mehr als einer Woche eine Demonstration gegen die Öffnung der Ehe in Mexiko unterstützt. „Ich schließe mich den mexikanischen Bischöfen an, die den Einsatz der Kirche und der Zivilgesellschaft für die Familie und das Leben unterstützen“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt am vorletzten Sonntag beim Angelus-Gebet auf dem Petersplatz.

Und dass Franziskus in seiner pastoralen Karriere „Homosexuellen oft die Hand gereicht“ hat, ist auch nur die halbe Wahrheit: Als in Argentinien die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare geöffnet werden sollte, rief der damalige Erzbischof von Buenos Aires gleichsam zu einem „Gotteskrieg“ auf: In einem Brief an die Klöster sprach der spätere Papst von einer „Intrige des Vaters der Lügen, die die Kinder Gottes verwirren und hinters Licht führen soll.“ „Vater der Lügen“ ist in der Bibel ein Ausdruck für den Teufel.