Vom obersten Katholiken in Basel zur „Happy Rebecca“

Rebecca Burkhardt schafft klare Fronten - und spricht darüber, wer sie wirklich ist

Rebecca Burkhardt
CVP Basel-Stadt

Rebecca Burkhardt war einmal ein Mann – und zwar kein Unbedeutender in ihrer Heimat, der Schweizer Stadt Basel: Als Synodenpräsident war Basil Burkhardt der ranghöchste Katholik im Kanton. Nach ihrem Coming Out als Transgender will sie nun für die Christlichdemokratische Volkspartei (CVP) ins Parlament des Kantons einziehen.

Die 58-Jährige merkte schon früh, dass sie anders war als die anderen Burschen in ihrer Umgebung. Doch schwul war sie nicht. Vor einigen Jahren dann der entscheidende Moment: „Ich saß zu Hause und fragte mich: Ist es dir jetzt endlich klar?“, erzählt sie der „Basellandschaftlichen Zeitung“. Daraufhin beschloss sie, „die Sache in die Hand zu nehmen“.

Ehefrau erfuhr als Erste von ihrer Transsexualität

Als erstes erzählte Rebecca ihrer Ehefrau von ihrer Wandlung. Das Paar heiratete erst spät, Burckhardt war über 40 Jahre alt. Seit 2009 war er Präsident der römisch-katholischen Synode. Zum Zeitpunkt ihres inneren Coming Outs lebten sie bereits getrennt.

Mittlerweile sind sich die beiden so nah wie nie zuvor. In ihrer Freizeit kleidet sie sich nur noch weiblich: In Rock und Pumps, geschminkt, mit offenem Haar, aber nie zu sexy, dafür ist das katholische Wesen ist in Rebecca zu tief verankert. In der Öffentlichkeit wurde sie dafür noch nie angepöbelt: „Vielleicht merken die Leute nicht, dass ich mal ein Mann war“, vermutet Rebecca.

Keine Namensänderung: „Bin weder krank noch gaga“

Nun kandidiert Rebecca Burkhardt auf der Liste der CVP in Großbasel-Ost für das Basler Kantonsparlament, den Großrat. Aufmerksamkeit erregt sie damit auf jeden Fall: Denn auf den offiziellen Plakaten, die in ganz Basel hängen, steht unter dem Foto der selbstbewussten Frau noch ihr amtlicher Vorname Basil. Ändern will sie das vorerst nicht.

Denn in der Schweiz müssen Name und Geschlecht vor dem Gericht geändert werden. Das würde ein Ende der Ehe bedeuten – und das möchte die gläubige Katholikin nicht. Auch ist für eine Änderung von Name und Geschlecht ein „Arztzeugnis“ notwendig – was Rebecca überhaupt nicht versteht: „Ich bin weder krank noch gaga – im Gegenteil: Erst jetzt bin ich richtig gesund!“, erzählt sie strahlend.

Kandidiert für einen Sitz im Kantosparlament

Dass sie für eine christlich-konservative Partei kandidiert, ist für Burkhardt kein Problem. „Nachdem mich ein Bekannter angefragt habe, ob ich kandidieren möchte, habe ich begeistert zugesagt. Erst wenige Minuten später wurde mir bewusst: Ich muss denen noch etwas verklickern!“, erzählt sie der Zeitung und lacht: „Zu meiner eigenen Überraschung hat es die Partei aber sehr positiv aufgenommen.“ Dem entsprechend wird sie auch trotz ihres männlichen Vornamens in den offiziellen Publikationen als „Großratskandidatin“ geführt.

Den bisher letzten Schritt ihres Coming Outs hatte Rebecca Burkhardt am Freitag hinter sich gebracht: Zum ersten Mal ging sie nicht als Mann verkleidet arbeiten. Das hat die Leiterin des Sponsorings einer Versicherung mit ihrem Chef abgesprochen. Ab sofort muss Rebecca am Montag in der Früh nicht mehr fast weinen, wenn sie vor dem Kleiderschrank mit den Hemden steht.

Und damit ist die 58-Jährige ihrem Lebensziel einen großen Schritt näher gekommen: „Ich will eine happy Rebi sein – und zwar täglich, 24 Stunden lang!“