Australien: Opposition blockiert Referendum über Ehe-Öffnung

Stattdessen will sie, dass das Parlament schnell die Öffnung der Ehe für schwule und lesbische Paare beschließt.

Flagge von Australien
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In Australien könnte eine Volksabstimmung über die Öffnung der Ehe jetzt an der homofreundlichen Opposition scheitern: Die sozialdemokratische Labor Party hat angekündigt, ein Gesetz über die Abhaltung eines Referendums vorübergehend zu blockieren. Stattdessen möchte sie, dass das Parlament bald und direkt darüber entscheidet, ob Lesben und Schwule auf dem Fünften Kontinent heiraten dürfen.

Referendum könnte Stimmung polarisieren, fürchtet Labor

Die von Premierminister Malcolm Turnbull geführte liberalkonservative Koalition hat angekündigt, das Volk am 11. Februar darüber abstimmen zu lassen, ob gleichgeschlechtliche Paare künftig eine Zivilehe eingehen dürfen. Doch um das Gesetz auch im Senat der Hauptstadt Canberra durchzubringen, braucht die Regierung die Stimmen der größten Oppositionspartei. Und die ziert sich.

Labor unterstütze vorbehaltslos die Öffnung der Ehe, macht Parteivorsitzender Bill Shorten die Position seiner Partei klar. Allerdings werde man kein Gesetz unterstützen, das zu einer polarisierenden Debatte führen könnte. Denn diese öffentliche Debatte würde zu weiterer Diskriminierung führen, so Shorten gegenüber Journalisten: „Die Experten haben übereinstimmend erklärt, dass die Volksabstimmung Schwulen und Lesben schaden würde – besonders, aber nicht ausschließlich, jungen Menschen.“

Australier mehrheitlich für eine schnelle Öffnung der Ehe

Protest gegen das vorläufige Nein der Labor Party kommt von radikalchristlichen Vertretern. Die „Australian Christian Lobby“ fordert eine Abhaltung des Referendums, damit „normale Australier“ das Recht bekommen würden, ihre Stimme in der „größten Änderung der Gesellschaftspolitik innerhalb einer Generation“ abzugeben.

Aktuellen Umfragen zufolge ist eine große Mehrheit der Australier für eine schnelle Öffnung der Ehe: So wollen zwei Drittel der Befragten, dass schwule und lesbische Paare bis zum Ende des Jahres heiraten können. Die Unterstützung zieht sich quer durch alle Schichten: So sind auch 60 Prozent der Über-65-Jährigen für eine schnelle Ehe-Öffnung.

Die Hinhaltetaktik von Premier Turnbull könnte für den Politiker also zum Bumerang werden: „Eine Mehrheit der Wähler aller Parteien und der Unentschlossenen glaubt, dass es wichtig ist, dass diese Reform ohne Verzögerung eingeleitet wird“, erklärt Alex Greenwich, Co-Vorsitzender der Organisation „Australian Marriage Equality“.