LGBT-Aktivisten in St. Petersburg festgenommen

Gruppe wollte am Coming-Out-Tag auf die Situation in Russland aufmerksam machen

St. Petersburg
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In der russischen Stadt St. Petersburg hat die Polizei gestern bei einer Demonstration zum internationalen Coming-Out-Tag zwei LGBT-Aktivisten festgenommen. Das berichtet das über die Situation in Russland gewöhnlich gut informierte Online-Portal queer.de.

Demnach sind mehrere Aktivisten mit einem Sarg durch die Innenstadt der russischen Metropole marschiert, den sie mit Regenbogenflaggen geschmückt hatten. Zusätzlich standen auf dem Sarg Begriffe wie „Gleichgültigkeit“, „Schikane“ oder „Angst“. Damit wollten die Aktivisten auf die Unterdrückung und die Lebensumstände sexueller Minderheiten im Land aufmerksam machen.

Bis zu acht Millionen LGBT in Russland

Einer der Aktivisten, der später festgenommen wurde, sagte in seiner Ansprache, man habe sich versammelt, um einer Person zu gedenken, „die ihr alle kennt“: Denn fast jeder Russe habe einen homosexuellen Freund, Kollegen oder Verwandten. „Eine Person, von der ihr nicht wusstet, dass sie mit euch euer größtes Geheimnis teilen wollte“ – und dann aufgrund der homophoben Grundstimmung doch den Mut dazu verloren.

In Russland gebe es bis zu acht Millionen Angehörige sexueller Minderheiten, die in der Öffentlichkeit aber unsichtbar blieben. Der Protest der Aktivisten in St. Petersburg ziele auf „den Verstand und das Gewissen der heterosexuellen Mehrheit“, um dieses Schweigen zu durchbrechen.

Homophobie in Russland tötet – vor allem Jugendliche

Das sei vor allem deshalb notwendig, weil in Russland viele schwule, lesbische, bisexuelle oder transgender Jugendliche Selbstmord begehen, weil ihre persönliche Lage für sie ausweglos scheint. Dazu passt auch, dass die russischen Behörden das international anerkannte Projekt „Deti-404“, das sich im Internet um queere Jugendliche kümmert, als „Propaganda“ eingestuft haben.

Und auch dieser friedliche Protest für die Rechte sexueller Minderheiten endete durch eine Polizeiaktion: Die Polizei in St. Petersburg nahm zwei Aktivisten fest. Neben dem Organisator wurde auch ein Mann, der sich in den Sarg legen sollte, unter Berufung auf die Einwanderungsgesetze vorläufig festgenommen.

In der Regel werden die Verhafteten nach einigen Stunden auf der Polizeiwache wieder freigelassen. Die Gründe für die Festnahme sind dabei immer wieder nicht nachvollziehbar. Anklage gegen die Verhafteten wird in den meisten Fällen nicht erhoben.