Im Gefängnis sicherer als auf der Straße: Sechs Jahre Haft für Transfrau

Für Linda Thompson ist das Frauengefängnis der einzige Ort, an dem sie sich sicher und wohl fühlt.

Linda Thompson
Oregon Department of Corrections

Ihre Geschichte machte international Schlagzeilen: Jetzt wurde eine 59-jährige Transfrau zu sechs Jahren Haft verurteilt, weil sie eine Bank überfallen hatte. Genau das war auch ihr Ziel: Im Gefängnis fühlte sich Linda Thompson nämlich sicherer als auf der Straße, wo sie nach ihrer Haftentlassung lebte.

Banküberfall, um ins Gefängnis zu kommen

Am 27. Juli hatte Thompson eine Bank in Cheyenne im US-Bundesstaat Wyoming überfallen – und wartete nach dem Überfall auf die Polizei, um sich widerstandslos festnehmen zu lassen. Denn kurz zuvor war die Obdachlose in einem Park von vier Unbekannten angegriffen und zusammengeschlagen worden, als sie gerade schlafen wollte.

Also beschloss sie, wieder zurück in die „Coffee Creek Correctional Facility“ zu gehen. Das Frauengefängnis gilt zwar als rau, doch dort fühlt sich Linda Thompson sicherer als auf der Straße. Seit 2010 saß sie dort schon einmal ein.

Linda Thompson entschuldigte sich bei Angestellter

Nun musste sie sich für ihren Überfall vor Gericht verantworten. Dabei entschuldigte sich Thompson bei der Bankangestellten, die sie überfallen hatte. „Mein Ziel war es nicht, ihnen weh zu tun. Ich wollte nur zurück ins Gefängnis. Es tut mir leid, sie da mithineingezogen zu haben.“

Bundesrichterin Nancy Freudenthal verurteilte Linda Thompson zu recht milden sechs Jahren Haft. Und zeigte Verständnis bei der Urteilsverkündung: „Niemand will, dass Sie im Gefängnis sterben“, erklärte sie: „Es gibt mehr im Leben als eine Gefängnisinsassin zu sein.“

Seit ihrem Coming Out gilt sie als Ausgestoßene

Doch daran hat Thompson den Glauben fast verloren. Ihr Fall zeigt, wie schwer es Transgender in den USA noch immer hatten. Als sie sich 1991 als Transgender outete, verlor sie ihren Job auf einer Ölplattform. Weitere Bewerbungen blieben ebenfalls erfolglos. Oft hatten mögliche Ehepartner explizit ihre Transsexualität als Grund genannt, warum sie die heute 59-Jährige nicht anstellen wollten.

1997 wurde Thompson dann schließlich wegen Diebstahls das erste Mal inhaftiert. Sie kam in ein Männergefängnis und wurde dort von den anderen Insassen verprügelt. Wieder in Freiheit bekam sie als Transgender keinen Platz in Obdachlosenheimen. Der erste Ort, in dem sie sich offenbar wirklich wohl fühlte, war das „Coffee Creek Correctional Facility“ Frauengefängnis. Bereits bei ihrer Freilassung sagte Linda Thompson, dass sie am liebsten nicht gehen würde.