Niederlande: Wochenende voll Gewalt und Hass gegen Lesben und Schwule

Polizeieinsatz in Amsterdam
Polizei Amsterdam

Verunsicherung gibt es nach drei homophoben Vorfällen in der niederländischen Szene: In Amsterdam wurde ein schwules Paar wegen seiner sexuellen Orientierung körperlich angegriffen. In einigen Teilen der Stadt kursieren homophobe Flugblätter. Und im etwa 40 Kilometer entfernten Leiden haben Neonazis versucht, einen „Regenbogen-Zebrastreifen“ zu übermalen. Die niederländische LGBT-Organisation COC verurteilt alle Zwischenfälle.

Schwules Paar in Amsterdam angegriffen und gegen den Kopf getreten

Der erste Zwischenfall geschah in der Nacht von Samstag auf Sonntag in der niederländischen Hauptstadt: Ein schwules Paar, 52 und 55 Jahre alt, wurde auf der Fähre hinter dem Hauptbahnhof zunächst von zwei Männern homophob beschimpft. Dann attackierten die Angreifer die Männer: Sie warfen einen von ihnen zu Boden und traten ihm mehrmals gegen den Kopf. Ein Passant, der dem Opfer helfen wollte, wurde ebenfalls angegriffen, berichtet die Tageszeitung „Het Parool“.

Nachdem auch weitere Passanten einschreiten wollten, flüchteten die Angreifer. Die Polizei forderte die beiden Männer auf, sich zu stellen: Man habe Bilder von ihnen und kenne dank aufmerksamer Zeugen auch die Nummer jenes Mofas, mit dem sie geflohen sind.

Es ist nicht das erste Mal, dass Schwule und Lesben sich in der ehemaligen Homo-Hauptstadt Amsterdam nicht mehr sicher fühlen können: In den letzten Monaten habe es mehrere derartige Vorfälle gegeben, erinnerte ein Sprecher von COC Nederland. Er forderte härtere Strafen für Hassverbrechen und bessere Prävention durch Akzeptanz-Kursen an Schulen.

Neonazis übermalen Regenbogen-Zebrastreifen

Ohne Gewalt, aber dafür mit umso größer Symbolkraft, war die Tat einer rechtsgerichteten Gruppe in Leiden: Sie haben in der Nacht auf Montag versucht, einen Regenbogen-Zebrastreifen mit roter Farbe zu übermalen. Der liebevoll „Gaybrapad“ genannte Fußgängerübergang wurde im Jahr 2015 anlässlich des internationalen Coming-Out-Tages eingeweiht.

Die drei unbekannten Täter tauchten gegen drei Uhr früh mit Pinseln und Farbe am Standort des Zebrastreifens am Nieuwe Beestenmark auf. Sie versuchten, die Regenbogenstreifen mit roter Farbe zu übermalen und filmten sich dabei. Ein Angestellter eines gegenüber liegenden Cafés, der den Vorfall ebenfalls gefilmt hat, sagte lokalen Medien, er habe zunächst an einen Bubenstreich gedacht. „Aber dann hat ein Jugendlicher sein Hemd ausgezogen und den Hitlergruß gezeigt“, erinnert er sich. Anschließend flüchteten die Unbekannten auf ihren Fahrrädern.

Da es während der Aktion regnete, waren Großteile der roten Farbe schon bald wieder weggewaschen Mittlerweile hat die Stadtverwaltung von Leiden den Regenbogen-Zebrastreifen wieder vollständig gereinigt. Er erstrahlt nun wieder in seinen bunten Farben.

Für Jan Thijs Leeuwrik Nieborg, Vorsitzenden der LGBT-Organisation COC Leiden, ist die Übermalung eine „traurige Aktion“. Hoffnung geben ihm allerdings die Reaktionen auf die Aktion im Internet: „Die Menschen reagieren empört und wütend auf das Video und das ist schön zu sehen.“

Homofeindliche Flugblätter in Amsterdam

Auch für Verunsicherung in der niederländischen Community sorgen homosexuellenfeindliche Flugblätter, die in Amsterdam in ganzen Stadtvierteln in den Briefkästen gelandet sind. Am Wochenende wurden sie unter anderem in den Bezirken West und Nieuw-West ausgeteilt.

Flugblatt Amsterdam
COC Nederland

In ihnen wird mit entsprechenden Passagen aus den Büchern der Religionen darauf hingewiesen, dass Homosexualität im Christentum, dem Judentum und dem Islam verboten sei. Außerdem behauptet der Flyer, dass fast ein Drittel der Regenbogeneltern ihre Kinder sexuell missbraucht.

Für LGBT-Organisation COC sind die Flyer „abscheulich“

Für COC Nederland ist der Flyer „abscheulich“: Die Vorsitzende Tanja Ineke spricht von „abscheulichen Lügen“ und fordert die Empfänger auf, die Hetzschrift bei der Polizei zu melden. Mit Erfolg: Mittlerweile sind fast 80 Strafanzeigen gegen die Flugblätter eingegangen. Die Behörden versuchen jetzt herauszufinden, wer hinter den Flyern steckt.

Auch die Politik hat Notiz von der Hetzschrift genommen. Der Parlamentsabgeordnete Ahmed Marcouch von der Arbeiterpartei nannte die Flyer ein „Verbrechen“. Der Stadtrat von Amsterdam hat bekannt gegeben, dass er sich mit einer Dringlichkeitsdebatte am 27. Oktober damit befassen will.