Fußball-Chef schämt sich, weil sich schwule Fußballer nicht outen

Greg Clarke gibt zu: "Ich wäre überrascht, wenn wir in der Premier League keine schwulen Spieler hätten"

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Ein offen schwuler Fußballer hätte mit „erheblichen Beschimpfungen“ zu rechnen, ist Greg Clarke, Vorsitzender des englischen Fußballverbands FA, überzeugt. Clarke wurde vor den britischen Parlamentsausschuss für Kultur, Medien und Sport geladen, um über Homophobie im Sport zu diskutieren.

FA-Boss Greg Clarke: „Ein schwuler Fußballer würde ständig beschimpft werden“

Auf die Frage des schottischen Abgeodneten John Nicholson über schwule Fußballer sagte Clarke: „Ich wäre überrascht, wenn wir in der Premier League keine schwulen Spieler hätten, und ich persönlich schäme mich dafür, dass sie sich nicht sicher fühlen, sich zu outen.“

Auf die Frage, mit welchen Konsequenzen ein offen schwuler Spieler zu rechnen hätte, sagte der Verbands-Vorsitzende: „Ich glaube, es würde erhebliche Beschimpfungen geben. Ich glaube nicht, dass wir dieses Problem schon gelöst hätten.“ Und er fügt hinzu: „Ich glaube, Fußball ist ein Spiegelbild der Gesellschaft. Wenn man eine Stichprobe von vier Millionen (englischen Fußballfans, Anm.) nimmt, bewegen sie sich in Richtung des Verhaltens der Gesamtbevölkerung.“

Homophobe Beschimpfungen im Fußball „ekelerregend“

Es gebe nur eine kleine Anzahl an Menschen, die sich an jenen abreagierten, die sie für anders halten, erklärte Greg Clarke. Diese gelte es aus der Masse herauszufiltern: „Es gab am Wochenende ein Beispiel: Fans von Luton werden verdächtigt, eine Gruppe Männer, die sie für schwul hielten, homophob beschimpft zu haben. Dieses Verhalten ist ekelerregend und muss beseitigt werden, und davon bin ich absolut überzeugt.“

„Wenn ich ein schwuler Mann wäre, warum sollte ich mich dem aussetzen?“, gab Clarke die Antwort auf die Frage, warum sich schwule Fußballer nicht outen. Die FA müsse Leute, die sich homophob äußern „identifizieren, auf sie zusteuern und sie bestrafen“, ist der Verbandsvorsitzende überzeugt.

Kein offen schwuler Kicker in der englischen Liga

Der letzte Spitzenspieler, der sich im englischen Fußball geoutet hatte, war Justin Fashanu im Jahr 1990. Danach wurde er bedroht, beschimpft und des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Er nahm sich 1998 das Leben.

Robbie Rogers und Thomas Hitzelsperger, die ebenfalls beide in der englischen Liga gespielt hatten, warteten mit ihrem Coming Out bis zum Ende ihrer Karriere. Rogers setzte seine Spielerlaufbahn danach in den USA fort.