Kein Weltmeistertitel für schwulen Profiboxer Orlando Cruz

Orlando Cruz
WBO

Der einzige offen schwule Profiboxer Orlando Cruz hat erneut einen Weltmeisterschaftskampf verloren. Der 35-jährige Puerto-Ricaner verlor in Cardiff den Kampf im Leichtgewicht nach Version der WBO gegen den Briten Terry Flanagan durch technischen K.O. in der achten Runde.

„Ich will eine Inspiration für die Gay Community sein, indem ich World Champion werde”, kündigte Cruz noch vor dem Kampf an. Doch daraus wurde nichts: Der aus Manchester stammende Flanagan gewann den Kampf. Er ist somit seit 32 Kämpfen ungeschlagen und galt bei britischen Wettbüros als Favorit.

Lob vom Gegner für sein Coming Out

Cruz boxte dabei eher defensiv. Ab der vierten Runde musste der unerwartet schwach spielende 35-Jährige zahlreiche Kopfschläge einstecken. Trotzdem gab es Lob von seinem Gegner: „Sich in einer Macho-Kampfsportart wie dem Boxen zu outen, muss man bewundern. Das erfordert Mut und Courage“, so der 27-jährige Brite, der selbst eine lesbische Schwester hat, zum Sportsender ESPN.

Um den Weltmeistertitel konnte Cruz boxen, weil er im Juni einen Kampf gegen Alejandro Valdez gewonnen hatte. Diesen Sieg widmete er den Opfern des Massakers im „Pulse“, einem Schwulenclub in Orlando. Vier Opfer kannte der Boxer persönlich.

Cruz kannte vier Opfer vom Anschlag auf das „Pulse“

Wegen der Vorbereitungen für den Kampf konnte Cruz nicht an der Trauerfeier teilnehmen. Allerdings kam er nach dem Sieg ins „Pulse“ und übergab dem Team seine Boxhandschuhe, „weil sie weiterkämpfen und ich stolz auf sie bin“, wie er damals sagte.

Cruz hatte sich im Jahr 2012 öffentlich geoutet und seitdem neun Profikämpfe bestritten. Darunter war im Oktober 2013 ein WM-Kampf gegen Orlando Salido, den er ebenfalls durch technisches K.O. verloren hatte. Er ist der erste Profiboxer, der sich während seiner aktiven Karriere geoutet hatte.

Zuvor hatte sich der kanadische Boxer Mark Leduc als schwul geoutet. Leduc, der bei den Olympischen Spielen 1992 in Barcelona Silber im Halbweltergewicht gewonnen hatte, tat dies aber erst ein Jahr nach dem Ende seiner aktiven Karriere im Jahr 1994 in einer TV-Dokumentation. Er starb im Jahr 2009 an den Folgen eines Herzinfarkts im Alter von 47 Jahren.