Stehen drei englische Fußballprofis vor ihrem Coming Out?

Ein britischer Parlamentsabgeordneter will entsprechende Informationen erhalten haben, der englische Fußballverband gibt sich zurückhaltend.

Fußball
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Drei englische Spitzenfußballer könnten sich in Kürze outen. Das hat ein Parlamentsabgeordneter gestern Nachmittag angekündigt. Der Fußballverband würde sie dabei unterstützen – doch ob das auch ihre Vereine tun, bleibt fraglich.

John Nicholson von der schottischen Nationalpartei (SNP) hat in einer Rede vor dem Ausschuss für Kultur, Medien und Sport gemeint: „Ich habe erfahren, dass es drei Spieler gibt, die in Gesprächen mit dem Fußballverband FA über ein Coming Out sind, aber sie haben es bis jetzt noch nicht gemacht.“

Auch schwuler Ex-Basketballer ist in Kontakt mit schwulen Fußballern

Im letzten Monat hatte der ehemalige NBA-Spieler John Amaechi dem Parlamentsausschuss gesagt, dass er in Kontakt mit schwulen Spitzenspielern aus England war. Sie hatten sich nicht geoutet, weil sie das Gefühl hatten, dass es innerhalb ihres Vereins Probleme mit ihrer sexuellen Orientierung geben könnte.

In einer ersten Stellungname zeigte sich die FA über die Aussagen von Nicholson überrascht. Der Verband bekräftigte aber seine Position, Spieler bei ihrem Coming Out unterstützen zu wollen: „Wir arbeiten hat daran, wenn also ein Spieler ein Gespräch über ein Coming Out haben möchte, sind wir da und bieten jede Unterstützung an, die wir haben. Letztendlich ist es aber die Entscheidung eines jeden einzelnen“, erklärte ein Sprecher des Fußballverbandes dem „Independent“.

Verbands-Chef schämt sich, dass sich noch kein Fußballer geoutet hat

Im Oktober hat Greg Clarke, Vorsitzender der FA, vor dem Ausschuss gemeint, der englische Fußball sei noch bereit für einen offen schwulen Spitzenspieler: „Ich würde mich sehr wundern, wenn wir in der Premier League keine schwule Spieler hätten, und ich schäme mich persönlich, dass sie sich nicht sicher fühlen, sich zu outen“, sagte er.

Auf die Frage, mit welchen Konsequenzen ein offen schwuler Spieler zu rechnen hätte, meinte der FA-Chef: „Ich glaube, es würde erhebliche Beschimpfungen geben. Ich glaube nicht, dass wir dieses Problem schon gelöst hätten.“ Fußball sei ein Spiegelbild der Gesellschaft, betonte Clarke damals: „Wenn man eine Stichprobe von vier Millionen (englischen Fußballfans, Anm.) nimmt, bewegen sie sich in Richtung des Verhaltens der Gesamtbevölkerung.“

Sportministerin würde geoutete Fußballer unterstützen

Für diesen Kommentar gab es Kritik von Sportministerin Tracey Crouch. Sie sagte vor dem Ausschuss, dass sie die Aussagen von Clarke im Oktober „enttäuschend“ fand und fürchte, sie würden schwule Spieler darin bestätigen, ihre sexuelle Orientierung weiter zu verstecken: „Wenn du von ganz oben die Aussage bekommst, dass jetzt nicht die richtige Zeit dafür ist, ist es kein Wunder, auf wie vielen Ebenen sie weiterhin Angst haben.“

Wenn es um die Reaktionen der eigenen Umgebung ginge, „gab es wahrscheinlich nie einen besseren Zeitpunkt als jetzt, um sich zu outen“, erklärte die Politikerin: „Die Gesellschaft hat sich innerhalb einer Generation doch recht deutlich geändert, was die Einstellung zu Homosexualität betrifft“, so Crouch. Für diese deutlichen Worte gab es Lob von Nicholson: „Es ist gut zu wissen, dass die Regierung Menschen ermutigt, sich zu outen“, sagte der schottische Abgeordnete der Ministerin.

Der letzte Spitzenspieler, der sich im englischen Fußball geoutet hatte, war Justin Fashanu im Jahr 1990. Danach wurde er bedroht, beschimpft und des sexuellen Missbrauchs beschuldigt. Er nahm sich 1998 das Leben. Robbie Rogers und Thomas Hitzelsperger, die ebenfalls beide in der englischen Liga gespielt hatten, warteten mit ihrem Coming Out bis zum Ende ihrer Karriere. Rogers setzte seine Spielerlaufbahn danach in den USA fort.