Engpass bei Blutspenden – Doch Schwule werden weiter ausgeschlossen

Dabei kauft Österreich Blutkonserven aus Ländern, in denen Schwule Blut spenden dürfen

Blutkonserven
Symbolbild - Rotes Kreut

Das Rote Kreuz braucht dringend Blutspenden – doch schwule Männer, die helfen wollen, dürfen in Österreich nach wie vor kein Blut spenden Das kritisieren nun die Grünen.

Sex mit einem anderen Mann ist ein absoluter Ausschlussgrund für die Blutspende

Alle 90 Sekunden wird in einem österreichischen Spital eine Blutkonserve verwendet. Nachdem diese Konserven aber nur 42 Tage lang haltbar sind, muss ständig darauf geachtet werden, dass die Versorgung mit frischem Blut nicht abreißt. Genau das droht jetzt aber: Durch die Grippewelle ist die Zahl der Spender in Österreich um etwa ein Drittel zurückgegangen.

Doch nicht jeder, der Blut spenden möchte, darf das auch. Denn Männer, die in ihrem Leben auch nur ein einziges Mal Sex mit einem anderen Mann gehabt haben, sind für alle Zeiten in Österreich von der Blutspende ausgeschlossen. In Österreich sind das Schätzungen zufolge rund 420.000 Menschen.

Verbot hat „nichts mit Homophobie zu tun“ – doch andere Länder erlauben Schwulen die Blutspende

Diese Regelung wurde während der „Aids-Krise“ in vielen Ländern eingeführt. Und während andere Länder beginnen, auch schwule Männer wieder zur Blutspende zuzulassen, ändert sich an der Situation in Österreich nichts. Da hilft es auch nicht, dass das Gesundheitsministerium in dieser Frage gesprächsbereit ist. Der damalige Ministeriums-Sprecher Christoph Ertl konnte sich schon 2014 vorstellen, die entsprechende Frage im Erhebungsbogen zu ändern. Statt „Hatten Sie Sex mit einem anderen Mann?“ könnte diese etwa „Hatten Sie ungeschützten Sex?“ lauten.

Doch das Rote Kreuz als größte Organisation zum Sammeln und Aufbereiten der Blutspenden stellt sich quer. So erklärte Eva Menichetti, medizinische Leiterin der Blutspendezentrale des Roten Kreuzes, im Februar 2013 dem „Standard“, das Verbot „erfolgt aufgrund medizinischer, nicht aufgrund gesellschaftspolitischer Kriterien und hat daher nichts mit Homophobie zu tun“.

Österreich kauft Blutkonserven aus Ländern, in denen Schwule Blut spenden dürfen

Eine Praxis, die den Grünen zufolge extrem absurd ist. Denn Österreich kauft Blutkonserven aus Ländern zu, in denen schwule Männer ihr Blut spenden können. „Das Rote Kreuz handelt hier zum Schaden von Erkrankten“, ärgert sich die Grüne Bundesrätin Ewa Dziedzic, LGBTI-Sprecherin ihrer Partei. Sie hat deshalb zum Thema Blutspendeverbot von bi- und homosexuellen Männern eine parlamentarische Anfrage eingebracht.

Für Thomas Lechleitner, gemeinsam mit Dziedzic Bundessprecher der Grünen Andersrum, ist die derzeitige Situation ebenfalls unverständlich: „Meine Hilfe wird abgelehnt, weil mir beim Frühstück keine Frau, sondern ein Mann gegenübersitzt“, ärgert er sich. „Viele würden gerne helfen und Blut spenden. Sie wollen jedoch nicht lügen und sehen deshalb von einer Spende letztendlich ab. Das ist besonders bitter, wenn wir lesen, dass die Lagebestände aufgebraucht sind und die Versorgung der Patientinnen und Patienten in Österreichs Spitälern gefährdet ist“.

Dabei haben andere Länder längst angepasste Regelungen: So dürfen schwule Männer beispielsweise in Irland, Großbritannien, Ungarn oder Schweden ein Jahr nach ihrem letzten gleichgeschlechtlichen Sex Blut spenden. Auch in Spanien, Italien oder Polen dürfen schwule Männer, sofern ihr Sexualverhalten als sicher gilt, mit ihrem Blut Leben retten.