Schweiz öffnet Blutspende für schwule Männer

Ab Juli können Männer, die Sex mit Männern hatten, Blut spenden.

Blutkonserven
Symbolbild - Rotes Kreut

Die Schweiz öffnet die Blutspende ab Juli für schwule Männer. Wie in anderen europäischen Ländern gibt es aber auch hier eine gravierende Einschränkung: Der Blutspender darf zwölf Monate zuvor keinen Sex mit einem anderen Mann gehabt haben.

Die zuständige Aufsichtsbehörde Swissmedic hat ein entsprechendes Gesuch der Organisation „Blutspende SRK Schweiz“ bewilligt. Mit der zwölfmonatigen Karenzfrist könne das Risiko einer Krankheitsübertragung „weiterhin sehr tief gehalten werden“, so die zum Schweizerischen Roten Kreuz gehörende Organisation.

Zwölf Monate Karenzfrist „nicht optimal“, aber „erster Schritt weg von diskriminierender Regelung“

„Das ist ein erster Schritt weg von einer Regelung, die viele zu Recht als diskriminierend betrachteten“, freut sich auch Rudolf Schwabe von „Blutspende SRK Schweiz“ gegenüber dem Schweizer Rundfunk (SRF). „Wirklich optimal scheint diese Lösung indessen nicht, da vermutlich nicht viele schwule Männer davon profitieren können“, weiß auch er: In einem nächsten Schritt müsse das konkrete, persönliche Risikoverhalten ausschlaggebend sein und nicht mehr die sexuelle Neigung.

Männer, die nach 1977 Sex mit Männern hatten, sind derzeit in der Schweiz – wie auch in Österreich – dauerhaft von der Blutspende ausgeschlossen. Erlassen wurde das Verbot in den frühen 1980er-Jahren während der „Aids-Krise“. Mittlerweile haben bereits mehrere Staaten diese Regelungen wieder gelockert, zuletzt die Republik Irland. Auch dort gilt eine zwölfmonatige Karenzfrist für schwule Spender.

Mögliche Folgen der neuen Kriterien für die Blutspende müssen ständig überprüft werden

Denn gerade zu bestimmten Zeiten wird jeder Tropfen Blut gebraucht: Während Grippewellen oder in der Urlaubssaison gibt es immer wieder Engpässe in der Versorgung. Denn die lebensrettenden Blutprodukte sind nur begrenzte Zeit haltbar.

Swissmedic geht davon aus, dass die Neuerung kein erhöhtes Risiko für die Empfänger von Bluttransfusionen bedeutet. „Blutspende SRK Schweiz“ muss nun unter anderem kontinuierlich die veränderte Risikoabschätzung beobachten sowie das Risiko von Testversagern abschätzen. Außerdem muss die Organisation jährlich einen Beurteilungsbericht zu den Auswirkungen der neuen Spendekriterien einreichen.