Conchita, Bad Mitterndorf und die Mango Bar

Im Interview mit der "Welt am Sonntag" erzählt Conchita sehr persönliche Erlebnisse ihres Alter Ego Tom Neuwirth

Conchita
Thomas Ramstorfer/ORF

In einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ hat der 28-jährige Sänger Tom Neuwirth angekündigt, seine Kunstfigur Conchita Wurst könnte in naher Zukunft vom Erdboden verschwinden. Auch sonst war er in diesem Gespräch erstaunlich offen über sich, sein Coming Out und seine ersten Schritte in der Szene.

„Berühmt sein ist das Einzige, was ich gut kann“

Neuwirth, der im steirischen Bad Mitterndorf aufgewachsen ist, beschreibt gegenüber der Wochenzeitung sein Heimatdorf als „schön, aber klein“. Er selbst bezeichnet sich als „Fernsehkind“: „Ariel, die Meerjungfrau, war mein Idol. Sie hat mir das Singen beigebracht. Und dann habe ich Zuhause vor dem Spiegel gesungen, in den Kleidern meiner Mutter. Ich wusste sehr früh, ich kann nur berühmt werden. Es ist das Einzige, was ich gut kann.“

Heute hat er dieses Ziel erreicht – und daran gefällt Neuwirth die „uneingeschränkte Aufmerksamkeit“, wie er sagt: „Ich genieße einfach die Bewunderung. Ich liebe es, wenn die Leute so an mir runterscannen. Da bin ich auch nicht schüchtern“, erklärt der 28-Jährige.

Die Mango Bar war „Freiheit auf 60 Quadratmetern“

Dass er anders war als die anderen Burschen in dem 5000-Einwohner-Ort, merkte Neuwirth schon bald. „Mit elf hatte ich plötzlich einen Namen für dieses Gefühl. Es hat ein Jahr gedauert, bis ich es vor mir selbst aussprechen konnte: schwul“, erinnert sich der Mann hinter Conchita Wurst heute. Später fuhr er mit Freunden nach Wien, um am Wochenende auszugehen.

„In die Mango-Bar, die kannten wir von der Werbung auf Dating-Seiten“, erinnert sich Tom Neuwirth im ausführlichen Interview mit der „Welt am Sonntag“: „Da waren plötzlich ‚frische Gesichter‘, Jungs, die sich um uns rissen. Auf einmal erlebst du, wie schön das sein kann! Kein ‚Ich muss aufpassen‘, ‚Guckt jemand?‘. Plötzlich darfst du jemanden anstrahlen, küssen, du darfst alles! Diese Schwulen-Clubs sind so wichtig, denn da findest du dich. Da hab ich verstanden, wie sich Freiheit anfühlt, auf diesen winzigen 60 Quadratmetern.“