Das machte das Hitler-Double in der Wiener Schwulenszene

"Ich habe ihn sogar bei mir schlafen lassen", sagte uns ein ehemaliger Bekannter

Harald Z.
privat

Er wollte berühmt werden – und das hat Harald Z. ganz offensichtlich geschafft: Als Hitler-Double stolzierte der 25-Jährige in dessen Geburtsstadt Braunau herum, ließ sich von Passanten fotografieren und gab Interviews. Medien auf der ganzen Welt berichteten über  „Harald Hitler“, wie er sich selbst nannte. Nun stellt sich heraus: Der Steirer hat sich jahrelang in der Wiener Schwulenszene herumgetrieben und sich unter anderem auch für ein Gay-Magazin ausgezogen.

„Hitler-Double“ ging in Schwulenlokale, obwohl er selbst auf Frauen stand

„Ich habe ihn 2013 in einem Schwulenlokal kennengelernt“, erinnert sich der 33-jährige Alexander Dubkowitsch im Online-Portal „oe24“. Seine Kontakte zur Community, vor allem in einem Lokal an der Wienzeile, wurden GGG.at mittlerweile auch von einer zweiten Quelle bestätigt.

Dubkowitsch erinnert sich, Harald Z. habe ihm gleich gesagt, dass er nicht schwul sei. Aber er dachte, Schwule hätten gute Kontakte zur Künstlerszene, und würden ihm so helfen, berühmt zu werden. „Er schlief sogar in meinem Bett“, ergänzt Dubkowitsch gegenüber GGG.at.

Harald Z. suchte schwule Freunde, weil er berühmt  werden wollte

Und wirklich: Harald Z. erreichte recht schnell eine gewisse Bekanntheit, ein klein wenig Ruhm. Er lässt sich gerne fotografieren, zieht sich dabei auch halbnackt aus, zeigt seinen Körper. Im deutschen Schwulenmagazin „Gleichlaut“ nimmt er mit sexy Bildern an Fotowettbewerben teil.

Im international ausgezeichneten LGBT-Kurzfilm „Homophobia“ duschte er als Statist im Hintergrund, beim Life Ball lief er über den Catwalk, auch bei der ORF-Sendung „Die große Chance“ wurde er backstage gesehen. Und vor die Kamera schaffte er es ebenfalls: In der PULS-4-Kuppelshow „Messer, Gabel, Herz.“ servierte er 2013 seinem Date das Dessert mit nacktem Oberkörper.

„Er hat den Reichsadler getragen, aber das habe ich nicht ernst genommen“, sagt ein ehemaliger Freund

Rechtes Gedankengut habe der heute 25-Jährige schon damals an den Tag gelegt, erinnert sich Dubkowitsch: „Er hatte schon leicht rechte Gedanken, hat auch den Reichsadler getragen, aber ich habe das alles nie ernst genommen.“ Dass Harald Z. nur wenig später ganz nach rechts abrutscht, war wohl nicht vorhersehbar. Im Jahr 2015 gibt er die Zeitung „Das Arbeitertum“ heraus, veranstaltet nach dem Vorbild der Nationalsozialisten einen „Arbeiterstammtisch“.

Im Mai 2016 taucht Harald Z. dann zum ersten Mal im Hitler-Look auf, bei einer Pegida-Demonstration in Graz. Danach wurde er zumindest in der Steiermark nicht mehr auffällig, bestätigte die Grazer Polizei dem Magazin „Vice“. Dafür wurde in Wien gegen den 25-Jährigen ermittelt: Er sollin der Bundeshauptstadt den verbotenen Hitlergruß gezeigt haben, erklärt Nina Bussek, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Wien, dem ORF.

Als „falscher Hitler“ wegen Wiederbetätigung in Braunau verhaftet, nach Wien überstellt

Vor zwei Wochen ließ sich Harald Z. schließlich in Braunau nieder, jeder Stadt, in der Adolf Hitler geboren wurde. Vor dessen Geburtshaus ließ er sich fotografieren und gab wirre Interviews. Eigentlich wollte er nach München, heißt es in einigen Medien, aber in der oberösterreichischen Bezirksstadt ging ihm das Geld aus. Vor einigen Tagen beendete die Polizei den Spuk: Am Montag wurde er von der Polizei festgenommen und wegen des Verdachts auf Wiederbetätigung angezeigt. Bei einer Hausdurchsuchung wurde bei dem 25-Jährigen auch einschlägiges Material gefunden.

Mittwochnachmittag ist schließlich von der Staatsanwaltschaft Ried über den Hitler-Imitator Untersuchungshaft verhängt worden. In den nächsten Tagen wird er in die Justizanstalt Wien-Josefstadt überstellt. Da dort bereits wegen Wiederbetätigung gegen ihn ermittelt wurde, ist der Akt von Oberösterreich nach Wien abgetreten worden. Ihm drohen bei einer Verurteilung bis zu zehn Jahre Haft. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Dort könnte er schon bald Besuch bekommen: „Ich möchte ihn im Gefängnis besuchen – und ihn fragen, ob er das wirklich ernst gemeint hat“, verrät Alexander Dubkowitsch, jener Mann, der den falschen Hitler sogar bei sich schlafen hat lassen.