Kirche von England bekräftigt Eheverbot für Lesben und Schwule nicht

Damit entbrennt die Diskussion um Homosexualität bei den Anglikanern erneut

Symbolbild: Mädchen beim Händchenhalten
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Es sah nach einer klaren Sache aus: Bei ihrer Synode sollte die Kirche von England einen Bericht der Bischöfe abnicken, der eine Beibehaltung des Verbots gleichgeschlechtlicher Eheschließungen innerhalb der Kirche empfiehlt. Auch sollten schwule und lesbische Pfarrer künftig weiter enthaltsam leben. Doch das Gremium aus Bischöfen, Geistlichen und Laien entschied sich anders.

Nur 93 geistliche Mitglieder der Synode befürworteten den Bericht, 100 stimmten dagegen. Bei den Laien stimmten zwar 106 Delegierte dafür und 83 dagegen, da die Geistlichkeit aber den Bericht ablehnte, gilt er als nicht angenommen. Damit ist der Versuch der Bischöfe, dieses sensible Thema vorerst zu beruhigen, schiefgegangen.

Bericht sollte dem Kampf zwischen Gegnern und Befürwortern der Ehe-Öffnung den Druck nehmen

Denn der Bericht war ein Spagat zwischen den beiden unversöhnlichen Lagern innerhalb der Anglikaner: Für die Traditionalisten waren das Ehe-Verbot und der Zölibat für homosexuelle Geistliche im Bericht. Für liberale Vertreter wurde in dem Bereicht eine „Unterstützungs- und Willkommenskultur für lesbische und schwule Menschen“ innerhalb der Kirche gefordert.

Deshalb warb auch Justin Welby, als Erzbischof von Canterbury das geistliche Oberhaupt der 30 Millionen Mitglieder zählenden Kirche von England, für den Bericht. Dieser stelle „nicht das Ende der Geschichte“ dar, versuchte er noch, liberale Kritiker ins Boot zu holen.

Größte Niederlage für anglikanische Führung seit Jahrzehnten

Britische LGBT-Aktivisten begrüßen das überraschende Ergebnis. „Diese Ablehnung des bischöflichen Berichts ist ein Sieg für die Liebe und die Gleichberechtigung“, erklärte Peter Tatchell. Der wohl bekannteste Aktivist Großbritanniens protestierte vor der Synode gegen den Bericht der Bischöfe. Deren Niederlage sei „die größte für die anglikanische Führung seit Jahrzehnten“, ist sich der 65-Jährige sicher.

In England und Wales ist die Zivilehe seit 2014 für schwule und lesbische Paare geöffnet. Die Church of England als Staatskirche weigert sich allerdings, homosexuelle Paare zu verheiraten. Die Anglikaner sind in dieser Frage tief gespalten, vor allem zwischen liberalen Nordamerikanern und konservativen Bischöfen aus Afrika. Der Konflikt sitzt so tief, dass sogar eine Kirchenspaltung gedroht hat.