Milo Yiannopoulos beendet vorerst Mitarbeit bei „Breitbart“

Er sieht sich als Opfer seiner überspitzten Aussagen - an denen er auch weiterhin festhalten will

Milo Yiannopoulos
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Milo Yiannopoulos, offen schwules Enfant terrible der „neuen Rechten“ in den USA, hat seine Stelle als leitender Redakteur der rechtsnationalen US-Webseite „Breitbart News“ gekündigt. Grund dafür sind Äußerungen, in denen der 32-jährige Brite mit den blonden Strähnchen Kindesmissbrauch verharmloste.

Saloppe Aussagen über Sex zwischen Kindern und Erwachsenen empörten die Konservativen

So sprach Yiannopoulos bereits Anfang 2016 gegenüber dem Podcast „Drunken Peasants“ davon, dass Beziehungen zwischen erwachsenen Männern und 13-jährigen Burschen „vollkommen einvernehmlich“ sein könnten. Das Problem sei, so der Brite, vor allem die Sicht der Gesellschaft auf solche Beziehungen. „Wir sind besessen von Missbrauch, wir sind besessen von diesem Kindesmissbrauchs-Zeug“, so der 32-Jährige.

Auch er sei als Kind von einem Geistlichen missbraucht worden. Um zu zeigen, dass ihm das nicht geschadet hatte, sagte Yiannopoulos in dem Podcast süffisant: „Ich bin dankbar für Pastor Michael. Ich wäre heute nie so gut beim Oralsex, wenn es ihn nicht gegeben hätte.“

Das verhängnisvolle Video kam aus dem eigenen Lager

Besonders bemerkenswert: Die Angriffe kamen nicht vom politischen Gegner, sondern aus den eigenen Reihen. Ins Rollen gekommen war die Affäre über einen Tweet der konservativen Webseite „The Reagan Battalion“. Sie hat die entsprechenden Ausschnitte aus dem „Drunken Peasants“-Interview erneut veröffentlicht.

Und sie verfehlten ihren Zweck nicht. Die einflussreiche „Conservative Political Action Conference“ strich ihn am Montag von der Rednerliste für eine in wenigen Tagen stattfindende Konferenz. Der Verlag „Simon & Schuster“ kündigte an, ein geplantes Buchprojekt mit Milo Yiannopoulos vorerst nicht zu realisieren, für das er angeblich bereits 250.000 Dollar Vorschuss bekommen hatte.

Nimmt sich mit dem Rückzug aus der Schusslinie

Und auch beim ultrarechten Nachrichtenportal „Breitbart“ regte sich Widerstand gegen Yiannopoulos. Wie die „Washington Post“ berichtet, forderten Redakteure den Rückzug des polarisierenden Briten. Um aus der Schusslinie zu kommen, hat Yiannopoulos nun selbst seine Mitarbeit bei dem Nachrichtenportal beendet.

„Es wäre falsch, durch meine schlechte Wortwahl von der wichtigen Berichterstattung meiner Kollegen abzulenken. Deshalb verlasse ich ‚Breitbart‘ mit sofortiger Wirkung“, sagte er am Dienstag bei einer Presekonferenz. Donald Trumps Chefberater Stephen Bannon, damals Chef des Portals, hatte den 32-Jährigen im Jahr 2014 persönlich bei „Breitbart“ eingestellt.

Yiannopoulos verlässt „Breitbart“ freiwillig und gelobt (ein bisschen) Besserung

Milo Yiannopoulos ging bei der Pressekonferenz auch vorsichtig in die Offensive: Er habe jetzt geglaubt, als Opfer Witze über Kindesmissbrauch machen zu können. Das sei ein Irrtum gewesen. „Ich habe Sachen gesagt, die ich nicht so meine“, so Yiannopoulos.

Es tue ihm leid, wenn andere Missbrauchsopfer seine Sprüche als schmerzvoll empfunden hätten, erklärte der 32-Jährige bei der Pressekonferenz weiter. An seinem Buchprojekt seien andere Verlage interessiert, er wolle zehn Prozent der Einnahmen an Organisationen für missbrauchte Kinder spenden. An seinem Stil will er aber nichts ändern. „Ich werden niemals aufhören, über Tabu-Themen Witze zu machen“, so Milo Yiannopoulos fast trotzig.