„Night of Stars“: So großartig war der Tuntenball

Für diese Nacht im Grazer Congress wurde jeder zum Star

Alexandra Desmond und Louie Austen
RLP/Andy Joe

Mehr als 2.500 Besucher haben am Samstag in Graz das Versprechen gehalten, das der traditionelle Tuntenball mit seinem diesjährigen Motto „Night of Stars“ gegeben hatte. Mühevoll hergestellte Kostüme und stundenlange Vorbereitungen für den großen Auftritt im Grazer Congress waren da keine Seltenheit.

Die Stimmung war magisch und ausgelassen. In den Stefaniensaal wurde für diesen einen Abend ein Sternenhimmel mit ungezählten Glitzersternen geschaffen. Außerdem gab es einen „Walk of Queer-Fame“ – mit 100 Sternen, welche die Namen von LGBT-Stars und Szene-Ikone trugen.

„Man lebt so kurz und ist so lang tot“: Ballmutti Alexandra Desmond macht Mut zum Feiern

„Das Leben ist so kurz und so schnell vorbei. Meine Großmutter hat immer gesagt, man lebt so kurz und ist so lang tot. Und das stimmt. Jeder Tag sollte Tuntenball sein. Für jeden einzelnen. Egal, wer er ist, woher er kommt, wen er liebt, wen er anbetet – wurscht. Raus aus dem Schrank, rauf auf die Bühne“, erklärte die weise Ballmutti Alexandra Desmond im Gespräch mit dem ORF.

Bis in die Morgenstunden wurde miteinander gefeiert. Ob Fotostation, Disco oder Kammermusik – das Programm am Ball bot für jeden etwas. Zur Mitternachtseinlage spielte Louie Austen auf, und die Tanzschritte des Australiers Rhys Bobridge begeisterten das Publikum. Nachdenklichere Worte kamen zu diesem Anlass von Alfons Haider.

Kein Wunder, dass sich auch zahlreiche Prominente die Veranstaltung nicht entgehen ließen. Ob ORF-Moderator Christoph Feurstein, der ehemalige Bundesrats-Präsident Mario Lindner oder der Grüne Nationalratsabgeordnete Werner Kogler – sie waren alle zu Gast. Auch Tamara Mascara, eine der bekanntesten Drag Queens Österreich, ließ sich die Veranstaltung in der steirischen Landeshauptstadt nicht entgehen.

Erika Empire gewinnt die Wahl zur Miss Tuntenball

Einer der Höhepunkte war auch am 28. Tuntenball die traditionelle Wahl zur „Miss Tuntenball“. Diese konnte Erika Empire für sich entscheiden. Feierlich überreicht wurde ihr der Titel von ihrer Vorgängerin Bubblegum Lecter.

Gäste, denen in der Ballnacht ein Stöckel abbrach oder eine Naht platzte, mussten nicht verzweifeln. Immerhin hatten die Organisatoren eine eigene Reparaturstation für die liebevoll gestalteten Outfits eingerichtet.

Doch der Tuntenball hat auch eine wichtige Botschaft: So wurde Intoleranz heuer im Vorfeld traditionell ausgeladen. Und dass der Kampf um Gleichberechtigung noch immer nicht zu Ende ist, betonte Joe Niedermayer von den RosaLila PantherInnen (RLP) auch bei der Verleihung der Goldenen Panthera.

„Goldene Panthera“ an Adam aus dem Irak, der in Österreich eine neue Heimat gefunden hat

Der Preis, der an Menschen vergeben wird, die sich durch Courage in der LGBT-Community ausgezeichnet haben, geht an Adam, einen schwulen Iraker, der wegen seiner sexuellen Orientierung aus seiner Heimat flüchten musste. „Im Irak hatte seine Liebe keinen Platz, in Österreich hat er nun Zuflucht gefunden“, so Niedermayer.

Und auch Adam ist froh, nun in Österreich zu leben: „Hier kann ich sein, wie ich bin. Ich hätte mir früher nie vorstellen können, offen über Homosexualität zu sprechen. In meiner Heimat musste ich meine Liebe immer verstecken. Jetzt zum Glück nicht mehr.“

Auch der Reinerlös des Tuntenballs kommt einem guten Zweck zugute: Mit ihm finanzieren die RLP ihre zahlreichen Projekte, unter anderem Aufklärungsworkshops und die Unterstützung von Beratungseinrichtungen.