Texas: Rektaluntersuchung für alle Männer, die Viagra wollen?

Dieser Gesetzesentwurf hat einen ernsten Hintergrund

Flagge von Texas
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Einen auf den ersten Blick sehr schrägen Gesetzesentwurf hat die Abgeordnete Jessica Farrar im Repräsentantenhaus des US-Bundesstaates Texas eingebracht: Männer sollen deshalb mit einer Strafe von 100 Dollar belegt werden, wenn sie masturbieren. Außerdem wäre eine rektale Untersuchung verpflichtend, bevor sich die Männer einer Vasektomie oder Koloskopie unterziehen oder Viagra verschrieben haben wollen. Doch der Vorschlag der Demokratischen Politikerin hat einen durchaus ernsten Hintergrund.

Kein Sperma mehr außerhalb einer weiblichen Vagina!

Männer, die „sich außerhalb der Vagina einer Frau entleeren“ oder „außerhalb einer Gesundheitseinrichtung“, welche das Sperma sammeln soll, sollen dem Entwurf zufolge bestraft werden, weil es sich um „einen Akt gegen ein ungeborenes Kind“ handle und „das Versagen, die Heiligkeit des Lebens zu beschützen“. Bei einer Vasektomie, Koloskopie oder der Verschreibung von Potenzmitteln wären dem Entwurf zufolge nicht nur die „medizinisch notwendigen“ Rektaluntersuchungen und eine Magnetresonanz-Untersuchung des Rektums verpflichtend, sondern auch eine 24-stündige Wartefrist.

Der Gesetzestext mag wahnsinnig klingen – doch er ist nur eine Kopie dessen, was Texas Frauen bei einer Abtreibung zumutet – nur eben auf Männer umgelegt. So müssen sie vor dem Eingriff eine verpflichtende Beratung besuchen, bei der ihnen unter anderem Bilder von Föten gezeigt werden und sie vor einem angeblich höheren Brustkrebs-Risiko warnt. In einer geplanten Verschärfung sollen die Frauen gezwungen werden, ihre abgetriebenen Föten beerdigen oder einäschern lassen zu müssen.

Republikaner sind peinlich berührt und gehen in die Offensive

Und auch, wenn Jessica Farrar mit ihrem Gesetzestext auf die Ungleichheit der Gesetze in dem Bundesstaat hinweisen möchte – die Unterstützung der katholischen Kirche hätte sie in der Theorie sicher. Deren Katechismus wertet die „absichtliche Erregung der Geschlechtsorgane, mit dem Ziel, geschlechtliche Lust hervorzurufen“ und den außerehelichen „Gebrauch der Geschlechtskraft“ als Sünde und „schwere ordnungswidrige Handlung“. Sie selbst hat bereits gesagt, dass sie ihren am Weltfrauentag eingebrachten Gesetzesentwurf als „satirisch“ sehe.

Bei ihren Parlamentskollegen sorgt der Gesetzesentwurf für Unbehagen. „Ich schäme mich für Abgeordnete Farrar“, sagte der Republikaner Tony Tinderhold: Ihr Versuch, Masturbation mit Abtreibung zu vergleichen, „zeigt, dass ihr das grundlegende Verständnis der menschlichen Biologie fehlt. Ich würde ihr empfehlen, dass sie einen Biologie-Kurs in der High School machen, bevor sie ein weiteres Gesetz zu diesem Thema einbringt.“

In Österreich war Masturbation übrigens bis 1787 verboten: Die „Constitutio Criminalis“ sah für solche „Unkeuschheiten wider die Natur“ Prügel vor. Erst Kaiserin Maria Theresia hob diesen Paragraphen durch eine Strafrechtsreform auf – die übrigens auch der Todesstrafe für schwulen Sex ein Ende machte.