Istanbul: Trans-Aktivistin vorübergehend festgenommen

Wegen der Festnahme konnte sie nicht bei einer Frauenkonferenz in Deutschland auftreten

Kıvılcım Arat
Kaos GL

In Istanbul wurde am Freitag eine bekannte türkische Trans-Aktivistin festgenommen, als sie zu einer Frauenrechtskonferenz nach Deutschland fliegen wollte. Am nächsten Tag wurde sie von den Behörden wieder freigelassen. Die Umstände ihrer Verhaftung sind aber weiter unklar.

Bei der Passkontrolle wurde Kıvılcım Arat festgenommen

Es war am Freitagnachmittag, als die in der Türkei bekannte Trans-Aktivistin Kıvılcım Arat vom Atatürk-Flughafen nach Deutschland fliegen wollte. Doch die Polizei nahm sie bei der Passkontrolle fest. Die Gründe für die Festnahme waren zunächst unklar. Auch erhielt Arats Anwalt Aylan Kırıkçı zunächst keine Information, in welcher Polizeistation sich seine Mandantin aufhielt.

Die Istanbuler LGBT-Organisation Kaos GL forderte sofort die sofortige Freilassung der Aktivistin. Im Laufe des Tages erklärte Arats Anwalt, die Polizei habe seine Mandantin zunächst zusammen mit zwanzig Männern in einer Zelle einsperren wollen. Er konnte aber zumindest eine Einzelzelle erstreiten.

Es soll um eine fehlende Aussage in einem Verfahren gegangen sein

Grund für die Festnahme sei angeblich eine fehlende Aussage gegenüber der Staatsanwaltschaft gewesen – doch Kırıkçı  sagte, er habe darüber keine weiteren Informationen. Die Behörden sagten lediglich, es handle sich um einen früheren Fall. „Also ist es klar, dass es einen Nachhol-Bescheid gibt“, so der Anwalt: „Es ist auch nicht klar, zu welchen Vorwürfen sie aussagen soll.“

Am Samstag wurde Kıvılcım Arat schließlich freigelassen, nachdem sie die ominöse Aussage machte. Es soll um ein laufendes Verfahren gegen die Trans-Aktivistin gehen. Nähere Informationen dazu gibt es noch nicht.

Ort und Zeitpunkt der Verhaftung lassen aber darauf schließen, dass Arat nicht im Ausland über die Situation sexueller Minderheiten in der Türkei sprechen sollte. Denn diese hat sich in den letzten Jahren massiv verschlechtert: Die Istanbul Pride, die jahrelang ohne Probleme stattfinden konnte, wurde die letzten Male unter fadenscheinigen Begründungen verboten.

LGBT-Aktivisten werden in der Türkei immer wieder festgenommen

Im Jänner wurde der offen schwule Designer Barbaros Sansal bei der Einreise in die Türkei festgenommen, weil er sich in sozialen Netzwerken kritisch über die türkische Regierung geäußert hatte. Auch andere LGBT-Aktivisten wie der Anwalt Levent Pişkin landeten wegen regimekritischen Aktivitäten vorübergehend hinter Gittern.

Kıvılcım Arat wurde über die Grenzen der Türkei bekannt, als sie letztes Jahr beim verbotenen Trans-Pride in Istanbul eine Presseerklärung verlas. Die Behörden versuchten, sie daran zu hindern und lösten die Veranstaltung mit Gummigeschoßen und Tränengas auf – genauso wie die Istanbul Pride eine Woche später.