Türkischer Imam in Deutschland nennt Lesben und Schwule „Perverse“

Kritik verbittet sich die Gemeinde - weil Deutsche den Kontext nicht verstehen würden.

DİTİB
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In Baden-Württemberg hat ein Imam der türkisch-islamischen DİTİB-Gemeinde auf seinem Facebook-Profil mehrmals gegen Homosexuelle gehetzt. Kritik lässt die Gemeinde nicht gelten: Deutsche würden den Kontext der Nachrichten nicht verstehen, heißt es.

So soll der Imam von Bad Säckingen an der Schweizer Grenze Lesben und Schwule als „Perverse“ bezeichnet haben. Das berichtet das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ in seiner aktuellen Ausgabe.

Homosexuelle sind für den Imam pervers, und unverschleierte Frauen führten sich wie Männer auf

Einige der brisanten Facebook-Einträge, die der „Spiegel“ zitiert, wurden mittlerweile gelöscht. Noch immer zu sehen ist aber ein Beitrag vom 30. Juni 2015, in dem der 39-Jährige einen Zeitungsartikel der mittlerweile durch die türkische Regierung geschlossenen Tageszeitung „Zaman“ zur Ehe-Öffnung in den USA kritisierte und dabei von „Homosexuell-Perversen“ sprach.

Weiters sind dem umstrittenen Imam „Frauen, die unverschleiert sind oder Hosen tragen ein Dorn im Auge, weil sie sich gebärdeten wie Männer“. Wie die „Badische Zeitung“ berichtet, sind sowohl der Imam als auch die DİTİB-Gemeinde in Bad Säckingen aktiv.

Bezahlt werden die Imame der DİTİB-Gemeinden vom türkischen Staat

Die Imame der DİTİB-Gemeinden werden in der Regel durch die türkische Religionsbehörde entsendet und von ihr bezahlt. Der DİTİB-Dachverein in Köln untersteht direkt dem staatlichen Präsidium für Religiöse Angelegenheiten der Türkei, welches dem türkischen Ministerpräsidentenamt angegliedert ist.

Auch in anderen Punkten vertritt der örtliche DİTİB-Imam eine eher in Baden-Württemberg eher unübliche Meinung. So habe er nach „Spiegel“-Informationen im Dezember Muslime dazu aufgerufen, „nicht mehr in Geschäften einzukaufen, die weihnachtlich geschmückt“ seien.

Vorwürfe werden zurückgewiesen, eine Diskussion verweigert

Die DİTİB Bad Säckingen teilte der Lokalzeitung mit, dass man „keinen der Vorwürfe akzeptiere“. Sie entsprächen nicht der Wahrheit, die Fakten seien „mit falschem Kontext“ interpretiert worden: „Um diesen Kontext zu verstehen, wären islamische und türkische Kenntnisse von Nöten“, so die Stellungnahme des Islamverbandes gegenüber der „Badischen Zeitung“. Das Angebot der Zeitung zu einer persönlichen Stellungnahme lehnt die Gemeinde ab.

Es ist nicht das erste Mal, dass die türkisch-islamische Gemeinde von Bad Säckingen zur homophobe Äußerungen von sich reden macht. Wie das Online-Magazin „queer.de“ berichtet, hat sie im vergangenen Herbst verhindert, dass bei der interkulturellen Woche der Stadt ein queerer Film gezeigt wurde.

Konkret ging es um den Film „Out of the Dark“ gezeigt wurde, der von der Liebe zwischen einem Israeli und einem Palästinenser handelt. Einer Lokalzeitung zufolge soll die türkisch-islamische Gemeinde im multikulturellen Beirat der Stadt mit dem Ausstieg aus der diesjährigen interkulturellen Woche gedroht haben, falls der Film gezeigt werde.