Weihbischof Laun vergleicht Gender-Theorie mit Nationalsozialismus

Scharfe Proteste nach Artikel des Geistlichen von der HOSI Salzburg

Andreas Laun
Josef Kuss/Bischofskonferenz

Für Aufregung sorgt wieder der Salzburger Weihbischof Andreas Laun. In einem Gastbeitrag für das konservativ-katholische Internet-Portal kath.net hat er die „Gender-Ideologie“ mit dem Nationalsozialismus verglichen. Kritik für diese Aussagen kommt von der HOSI Salzburg, der SoHo und den Grünen Andersrum.

„Gender-Ideologie“ ist für Laun eine „Lüge des Teufels“

Verbale Abrüstung ist nicht die Stärke des 74-Jährigen – so auch nicht in dem aktuellen „Hirtenbrief“, den Laun auf kath.net veröffentlichte. Die „Gender-Ideologie“ sei wie auch der Nationalsozialismus und der Kommunismus eine „Lüge des Teufels“, schreibt er.

Über Lesben, Schwule, Bisexuelle und Trans-Menschen schreibt er in dem Artikel als „irgendwie gestörten Männern und Frauen, die anatomisch eine kleine Missbildung haben oder eine sexuelle Anziehung zum eigenen Geschlecht verspüren“.

Weihbischof zieht Parallelen zwischen Gender-Theorie und dem Nationalsozialismus

Der Salzburger Weihbischof zieht auch Analogien zwischen der Gender-Theorie und der Rassenideologie der Nationalsozialisten: Dort hätte „der Teufel“ behauptet, es gäbe Menschenrassen, die besser seien als andere Rassen. „Nun lautet die Lüge: Dass die Menschen Frauen oder Männer sind, ist nur Einbildung, in Wirklichkeit sei dieser Unterschied eine Erfindung der Menschen“, so Laun.

„Darüber, dass nur Frauen Kinder gebären können, schweigen sie, aber sie behaupten immerhin, dass Männer genauso gut wie Frauen für Kinder sorgen können und dass daher auch Homosexuellen erlaubt sein müsse, Kinder zu adoptieren. In dieser Lüge steckt auch eine uralte Verachtung des Leibes“, so Laun in seinem Artikel.

Auch Gender Mainstreaming ist dem 74-jährigen Ultrakonservativen ein Dorn im Auge. Man „zwingt Studenten und Schüler, Kurse zu machen und nur ‚gegenderte‘ Prüfungsarbeiten abzugeben“, lamentiert der Geistliche. Die Menschen seien „zu dieser ‚Religion des Teufels‘ bereits scharenweise verführt worden“, meint Laun: „Auch die Anerkennung einer homosexuellen Beziehung als Ehe oder wenigstens als anerkannte Partnerschaft gehört dazu.“

HOSI Salzburg kritisiert Laun in einem offenen Brief und fordert eine Entschuldigung

Die HOSI Salzburg kritisiert den Artikel in einem offenen Brief: „Was in der Veröffentlichung von Bischof Laun als ‚Gender-Ideologie‘ bezeichnet und abgewertet wird, ist für viele Menschen die einzige Chance und Möglichkeit, ein gleichberechtigtes und selbstbestimmtes Leben anzustreben.“

Sexuelle Orientierung und geschlechtliche Identität können zwar im Laufe des Lebens variieren, seien jedoch nicht frei wählbar, so die HOSI Salzburg. „Ein Mann Gottes, als welcher sich Laun zweifelsohne sehen dürfte, sollte deshalb mehr Achtung vor dem menschlichen Leben und somit vor der Schöpfung haben.“

Launs Artikel beinhalte „derart hetzerische und menschenrechtsverachtende Passagen und Vergleiche, dass eine strafrechtliche Relevanz zu prüfen ist“, so der Vorstand der Salzburger LGBT-Organisation. „Besonders bizarr und abscheulich sind Launs Vergleiche mit den Ideologien des Nationalsozialismus“, so die HOSI Salzburg weiter.

Launs Vergleiche mit dem Nationalsozialismus sind „blanker Hohn“

„All diese von Herrn Laun immer wieder hervorgebrachten Vergleiche sind blanker Hohn und eine ungeheuerliche Respektlosigkeit, beispielsweise gegenüber den LGBTI-Personen, die im Nationalsozialismus verfolgt und getötet wurden.“ Man fordere eine klare Entschuldigung Launs und eine Stellungnahme der österreichischen Bischofskonferenz.

Eine Entschuldigung eine Klarstellung seitens der römisch-katholischen Kirche fordert auch die LGBT-Organisation der SPÖ: „Es kann nicht sein, dass in einem aufgeklärten Land wie Österreich derlei Aussagen getätigt werden, und Konsequenzen ausbleiben“, so Bundesvorsitzender Peter Traschkowitsch. Man unterstütze den offenen Brief der HOSI Salzburg.

„Das abstruse und bizarre Menschenbild des Weihbischofs richtet sich gegen eine offene, liberale Gesellschaft in der wir leben wollen“, meint auch Klaus Horvat-Unterdorfer, Sprecher der Grünen Andersrum Salzburg. Er macht klar: „Salzburg ist eine Stadt für alle, wir brauchen diese Diffamierungen nicht“.