[Video|Galerie] #chechnya100: Ledercommunity demonstriert vor russischer Botschaft

Etwa 50 Teilnehmer, darunter zahlreiche Titelträger, zogen vor die russische Botschaft in Berlin

Fetisch-Community: Demonstration gegen Schwulen-Verfolgung
Gernot Lindner/Facebook

Die Fetisch-Community hat sich mit einer spektakulären Aktion in Berlin gegen die Verfolgung schwuler Männer in Tschetschenien ausgesprochen. Etwa 50 Personen, angeführt von „Mister Fetish Europe“ Joe King, marschierten vom Denkmal für die im Nationalsozialismus verfolgten Homosexuellen zur russischen Botschaft beim Brandenburger Tor. Dabei riefen sie auch dazu auf, sich über die Facebook-Gruppe #chechnya100 für die Verfolgten einzusetzen.

Unter den Teilnehmern des Marsches waren fast alle Titelträger der europäischen Fetisch-Community, darunter auch der amtierende „Mister Fetisch Austria“, Gernot Lindner. „Der Protestmarsch in Berlin hat gezeigt dass der Zusammenhalt in der Community über die Grenzen wirkt und funktioniert. Menschen aller Altersgruppen aus mehr als fünfzehn Nationen haben ausgedrückt, dass sie für ein freies, selbstbestimmtes Leben stehen in der es egal ist, wen man liebt.“, ist er mit dem Verlauf des Marsches zufrieden.

Unterdessen formieren sich in ganz Europa weitere Proteste gegen die Verschleppung und Folter schwuler Männer in Tschetschenien. In Wien findet am nächsten Freitag ein Solidaritätsmarsch statt. Er beginnt um 17.00 Uhr bei der Staatsoper, von dort ziehen die Aktivisten zum Parlament. Dort soll die Abschluss-Kundgebung stattfinden.

Gezielte Verfolgung schwuler Männer in der russischen Kaukasusrepublik

In Tschetschenien werden Medienberichten zufolge schwule Männer gezielt zu Opfern der Polizei und paramilitärischer Verbände. Mehr als hundert von ihnen sollen in den letzten Wochen verschleppt und unter anderem mit Elektroschocks gefoltert worden sein, mindestens drei von ihnen dürften die Folterungen nicht überlebt haben.

Die britische Zeitung „The Guardian“ hat einer der Verhafteten sein zehn Tage dauerndes Martyrium beschrieben. Mindestens einmal pro Tag seien ihm Metallklammern an Fingern und Zehen angelegt worden, berichtet er. Durch diese Klammern wurden elektrische Schocks durch seinen Körper gejagt. Wenn er trotz der Schmerzen nicht geschrien habe, sei er mit Holz- und Eisenstangen geschlagen worden, so der Mann. Die Wärter hätten die schwulen Männer als „Tiere“ beschimpft und ihnen mit dem Tod gedroht.

Die tschetschenische Regierung bestreitet die Verhaftungen und Folterungen: In der russischen Kaukasusrepublik gebe es gar keine Homosexuellen, so ein Sprecher zur staatlichen russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti. Würden „solche Leute in Tschetschenien existieren, müssten die Behörden sich nicht um sie kümmern, da ihre eigenen Verwandten sie an einen Ort schicken würden, von dem sie nicht zurückkehren können“, so der Sprecher weiter.