Homophobe Tat? Drei Männer in Berliner S-Bahn angegriffen

Gruppe Jugendlicher bedrängte drei Männer zunächst in der S-Bahn, dann auf dem Bahnhof

S-Bahn Berlin
J. Donath/S-Bahn Berlin

In Berlin hat es in der Nacht von Freitag auf Samstag erneut eine Gewalttat gegen schwule Männer gegeben. Die Polizei prüft nun, ob sie auch einen homophoben Hintergrund hat.

Angezeigt hatten die Tat zwei Männer, 21 und 22 Jahre alt, die mit einem 27-jährigen Freund nach einem Diskothekenbesuch mit der S-Bahn nach Hause fahren wollten. Einer der Männer war nach Angaben der Polizei geschminkt, ein weiterer schwul. Bereits im Zug wurden die drei jungen Männer von einer Gruppe Jugendlicher angegriffen. Auch ein Fahrgast, der dem Trio helfen wollte, soll von den Jugendlichen angegriffen worden sein.

Auf dem Bahnhof verfolgten die Jugendliche ihre Opfer weiter

Am Bahnhof Blankenburg im Bezirk Pankow verließen sowohl die Männer als auch ihre Angreifer die S-Bahn. Am Bahnsteig schlugen und traten die Jugendlichen das Trio und rissen dem 21-Jährigen einen Brustbeutel vom Hals. Dann flüchteten die bis jetzt unbekannten Täter.

Bei dem Angriff erlitten die drei Männer leichte Verletzungen. Diese mussten zunächst medizinisch nicht versorgt werden. Ob die sexuelle Orientierung der Angegriffenen einen Einfluss auf den Angriff hat, prüft derzeit der Polizeiliche Staatsschutz am Landeskriminalamt Berlin.

Gewalt gegen Lesben und Schwule in Berlin gestiegen

Gewalt gegen sexuelle Minderheiten hat in der deutschen Hauptstadt in den letzten Monaten spürbar zugenommen. So zeigt die offizielle Kriminalstatistik für Berlin in den ersten sechs Monaten des Jahres 2016 insgesamt 49 Delikte, die aufgrund der sexuellen Orientierung der Opfer begangen wurden. Ein Jahr zuvor waren es nur 36 gewesen – das entspricht einem Anstieg um mehr als ein Drittel.

Ebenfalls bedenklich: Auch der Nollendorfkiez in Schöneberg, das Zentrum der Community, ist mittlerweile kein Platz mehr, um als Schwuler oder Lesbe sicher vor Hassverbrechen zu sein. So gibt es dort fast jeden Monat eine homophobe Straftat. Das geht aus einer parlamentarischen Anfrage hervor, die der SPD-Abgeordnete Tom Schreiber gestellt hat. Die Dunkelziffer dürfte noch höher sein.