Chelsea Manning wieder auf freiem Fuß

Von Barack Obama begnadigt, endet für die Whistleblowerin und Ikone der Trans-Bewegung heute ihre Zeit im Militärgefängnis

Chelsea Manning
privat/Archiv

Nach sieben Jahren Haft wurde die frühere Wikileaks-Informantin Chelsea Manning heute am Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie (IDAHOT) vorzeitig auf freien Fuß gesetzt. Das hat ein Sprecher der US-Army vor kurzem bestätigt.

Die 29-Jährige saß ihre Strafe im Militärgefängnis Fort Leavenworth im US-Bundesstaat Kansas ab. Nach Angaben ihrer Anwältin Nancy Hollander war die 29-Jährige vor ihrer Entlassung aufgeregt und ängstlich.

Seit August 2013 lebt Manning in der Haft als Frau

Als Bradley Manning wurde sie 1987 in Oklahoma City geboren. In der Haft outete sie sich im August 2013, kurz nach ihrer Verurteilung, als Transsexuelle und vollzog eine Geschlechtsanpassung. Nicht ohne Probleme: So musste sie im Männergefängnis bleiben und wurde im Gefängnisalltag nicht als Frau anerkannt. Die Geschlechtsanpassung musste sie einklagen, für ihre Forderung trat sie zeitweise in den Hungerstreik. Im Gefängnis unternahm sie zwei Suizidversuche und wurde oft in Isolationshaft gehalten.

Zuvor konnte sie ihre sexuelle Identität nur heimlich ausleben. In der Armee, wo Manning als Nachrichtenanalytiker arbeitete, durfte niemand wissen, dass der schmächtige Bradley sich eigentlich als Frau fühlte. Während sie 2010 im Irak stationiert war, war sie in einem Selbstfindungsprozess. Die Frage, ob sie ein Mann oder eine Frau sei, musste sie inmitten von „schießwütigen, hypermaskulinen, ignoranten Proleten“, wie sie selbst sagte, mit sich austragen.

Mit ihren Enthüllungen wollte sie eine Debatte anstoßen – das ist ihr gelungen

Zu dieser Zeit fällt sie die Entscheidung, der Enthüllungsplattform Wikileaks 725.647 Dokumente zuzuspielen. Damit wollte sie eigenen Angaben zufolge eine Debatte über die Kriege in Afghanistan und dem Irak anstoßen. Für viele hat sie damit den größten Militär-Skandal in der Geschichte der USA aufgedeckt.

Denn durch die Dokumente wurden unter anderem auch Kriegsverbrechen des US-Militärs im Irak publik. Unter den Dokumenten war auch ein Video, das zeigt, wie ein US-Helikopter in Bagdad zwölf Zivilisten tötete. Ohne ihre Leaks hätte US-Präsident Barack Obama wahrscheinlich nicht so schnellen Rückzug eines Großteils der US-Truppen aus dem Irak und Afghanistan befohlen.

Von den schwerwiegenden Anklagepunkten wurde Manning freigesprochen

Sie wurde noch im selben Jahr festgenommen. Manning zeigte Reue und entschuldigte sich für die Weitergabe der Dokumente. Nach einem Teilgeständnis im Jahr 2013 wurde sie in 20 Anklagepunkten für schuldig befunden und zu 35 Jahren Haft verurteilt. Vom schwerwiegendsten Vorwurf, Spionage für den Feind, wurde sie freigesprochen.

Am Ende seiner Amtszeit hat ihr Obama den größten Teil ihrer 35-jährigen Haftstrafe erlassen. Ein erstes Gnadengesuch einige Jahre zuvor lehnte er noch ab. Über 115.000 Menschen hatten eine Petition unterschrieben, in der Obama um Begnadigung gebeten wurde. Trotzdem: Mit sieben Jahren ist Chelsea Mannings Haftstrafe die längste, die je ein Whistleblower in den USA verbüßen musste.

Die Freiheit im Blick hat Chelsea Manning Mut gefasst

Letzte Woche erklärte Manning, sie habe nach ihrer Begnadigung neuen Mut gefasst: „Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich eine Zukunft für mich als Chelsea. Ich kann mir ein Leben vorstellen als die Person, die ich bin“, so Manning in einer Erklärung, die von ihren Anwälten veröffentlicht wurde. „Ich bin den Menschen, die mich am Leben erhalten haben, ewig dankbar: Präsident Obama, meinen Anwälten und den unzähligen Unterstützern.“

Manning wurde während ihrer Zeit in Gefangenschaft zu einem Idol der Trans-Community. So wurde sie etwa als erste US-Gefängnisinsassin Schirmfrau der San Francisco Pride.