Litauen nimmt als erstes EU-Land schwule Tschetschenen auf

Durch die internationalen Schlagzeilen dürfte Tschetschenien mit der Verschleppung schwuler Männer vorübergehend aufgehört haben

Schwuler Tschetschene in Moskau
France 24/YouTube

Litauen nimmt zwei schwule Flüchtlinge aus Tschetschenien auf. Das hat Außenminister Linas Linkevičius nun der Nachrichtenagentur BNA bestätigt. Damit ist es das erste Land der EU, das verfolgte Schwule aus der Kaukasusrepublik aufnimmt. Unterdessen haben russische Aktivisten Berichte bestätigt, dass die USA keine Tschetschenen, die wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt werden, in ihr Land lassen.

Außenminister bestätigt, dass für zwei Tschetschenen Visa ausgestellt wurden

„Ich kann bestätigen, dass wir Visa für zwei Tschetschenen ausgestellt haben, die wegen ihrer sexuellen Orientierung verfolgt wurden“, so der Sozialdemokrat Linkevičius gegenüber der Nachrichtenagentur. Damit ist der baltische Staat eines der wenigen Länder, die schwulen Tschetschenen Asyl gewähren.

Denn mit anderen sicheren Asylstaaten seien die Verhandlungen „kompliziert“, erklärt Svetlana Sacharowa, Sprecherin des Russian LGBT Network, gegenüber dem Newsportal „BuzzFeed“. Um welche Länder es sich konkret handelt, wollte sie nicht sagen, um noch ausstehende Zusagen nicht zu gefährden. Doch eines sei klar: „Wir wurden informiert, dass die Vereinigten Staaten keine Visa für Leute aus Tschetschenien ausstellen werden.“

Russisches LGBT-Network betreut derzeit 42 geflüchtete Tschetschenen

Derzeit betreut das LGBT-Network 42 Tschetschenen, die wegen ihrer Homosexualität aus der Heimat fliehen mussten. Sie halten sich in anderen russischen Provinzen auf, der genaue Aufenthaltsort ist geheim. Doch egal, wo sie sind – in Russland sind die Männer nicht sicher vor Verfolgung. Das LGBT-Network geht davon aus, dass tschetschenische Sicherheitskräfte oder Familienmitglieder sie auch außerhalb der Kaukasusrepublik verfolgen würden.

Und nicht nur die Betroffenen selbst sind in Gefahr: In ihrem Zwischenbericht schreibt das LGBT-Network, sie bekämen Berichte, nach denen „aufgrund der hohen Aufmerksamkeit zu den Geschehnissen in der Region Vertreter lokaler Sicherheitsbehörden die Verwandten der Opfer kontaktieren“: Diese würden unter Druck gesetzt, damit sie Bestätigungen unterschreiben, dass sie keine Beschwerden über die Behandlung ihrer schwulen Familienmitglieder hätten.

Schwule Männer selbst können dem Bericht zufolge zumindest kurzzeitig aufatmen: „Unseren Quellen zufolge wurde die Verschleppung von Menschen in Tschetschenien derzeit ausgesetzt und es wurde mit der Freilassung von Menschen begonnen, die in der sogenannten ‚zweiten Welle‘ (Mitte März) festgenommen wurden“, so das Netzwerk. Einen ausführlichen Bericht mit belastbaren Informationen wollen die Aktivisten in den nächsten zwei Wochen veröffentlichen.