Wegen eines Kusses: Schwules Paar am Paradenabend aus Innenstadt-Disco geworfen

Es ist nicht der erste homophobe Vorfall, den es im Volksgarten gegeben hat

Blaulicht
Symbolbild - Archiv

Erneut soll es in der Wiener Disco „Volksgarten“ einen homophoben Vorfall gegeben haben – ausgerechnet am Abend nach der Regenbogenparade: Wie die Tageszeitung „Österreich“ berichtet, griffen die Securities ein, nachdem sich ein schwules Paar auf der Tanzfläche geküsst hatte.

Ein Kuss in der Säulenhalle störte Gäste – und rief Securities auf den Plan

Der 20 Jahre alte Max und sein ein Jahr jüngerer Freund Hayden waren zunächst auf der Regenbogenparade. „Wir sind danach in die Säulenhalle vom ‚Volksgarten‘ gegangen“, erinnert sich Max. Dort küsste er auf der Tanzfläche seinen Freund. „Ganz normal, nicht provokant“, versichert der junge Mann.

Doch das dürfte trotzdem jemanden gestört haben. „Ihr müsst aufhören, sonst müsst ihr gehen“, forderte ihn ein Security nach dem Liebesbeweis auf. Schlagfertig antwortete Max: „Ich dachte nicht, dass ihr so homophob seid.“

Daraufhin eskalierte die Situation: „Es kamen zwei weitere Securitys. Sie zerrten mich durch den Klub. So gewaltsam, dass andere Gäste weggestoßen wurden und umkippten“, erinnert sich Max im Gespräch mit „Österreich“. Vor der Disco setzte es seiner Erinnerung nach Faustschläge von Unbekannten, auch ins Gesicht. Im Lorenz-Böhler-Spital wurden eine Gehirnerschütterung und Blutergüsse festgestellt. Max erstattete Anzeige bei der Polizei.

Volksgarten gibt Fehler zu und gibt sich tolerant: „Veranstalten Life Ball Afterparty“

„Das war eine klare Fehlentscheidung“, erklärte Steve Bladeck vom „Volksgarten“, zu dem die „Säulenhalle“ gehört, dem ORF Wien. Man sei nach „interner Überprüfung der Vorwürfe“ zu dem Schluss gekommen, dass sich die Securities falsch verhalten hätten: „Die für uns logische und unmittelbare Konsequenz war die sofortige Entlassung der beschuldigten Sicherheitskräfte.“ Das Lokal und die Sicherheitsfirma stünden für eine „absolute Null-Toleranz-Politik bei jeglicher Art von Diskriminierung“. Homophobie würde weder bei Gästen noch bei Mitarbeitern geduldet werden.

„Gerade als Veranstalter der offiziellen Life Ball Afterparty, die von zahlreichen Personen unterschiedlichster sexueller Ausrichtungen besucht wird, haben rückständige und diskriminierende Ansichten keinen Platz. Wir entschuldigen uns aufrichtig bei den beiden Gästen und werden umgehend den direkten Kontakt suchen, um dies auch persönlich kundzutun“, heißt es in der Stellungnahme weiter.

Bereits 2012 wurde ein schwuler Gast Opfer eines Securities, weil er oben ohne herumlief

Der Vorfall zeigt Parallelen zu einem weiteren homophoben Zwischenfall, den es bereits 2012 im gleichen Lokal gab: Bei einem schwulen Clubbing wurde ein Gast, Michael D. aus Wien, von einem Security angerempelt, weil er kein T-Shirt trug. „Ich wollte weitergehen, aber er hat mich nochmals so extrem angerempelt, dass ich auf den Boden fiel – dann kamen auch schon seine Kollegen und haben mich unsanft rausbefördert – sie wollten mich aus dem Lokal schmeißen und haben mich dabei fürchterlich beschimpft“, erzählte er damals GGG.at.

Im Krankenhaus wurde bei Michael D. eine Bänderzerrung im rechten Bein diagnostiziert. Er hatte sich bei dem Angriff in die Lippe gebissen, Knie und Ellenbogen aufgeschürft. Am Kopf hatte er eine Beule, am ganzen Körper blaue Flecken. Sein iPhone, das er in der Hose eingesteckt hatte, ging zu Bruch. Bei dem Prozess wurden die Verantwortlichen strafrechtlich schuldig gesprochen und zivilrechtlich zu einer Entschädigungszahlung verurteilt.