„Ich hab das anfangs gar nicht gecheckt“: Der neue Mr. Fetish Austria

Das große Interview: Der letztjährige Mister Leather Austria, Gernot Lindner, interviewt seinen Nachfolger Thomas Wucherer

Wahl zum Mister Fetish Austria 2017
Gernot Lindner

Thomas Wucherer ist der neu gewählte Mr. Leather Austria 2017 und Mr. Fetish Austria 2017 der Leder- und Fetish-Community in Österreich! Im Rahmen des mittlerweile international etablierten „Vienna Fetish Spring“ (VFS) wurde er mit über 61 Prozent der Stimmen unter drei Kandidaten gewählt. Thomas ist 34 Jahre alt und wohnt in Wien. Ursprünglich kommt er aus Kärnten und war einige Jahre im Ausland. Er folgt als sechster „Mister Leather Austria“ seinem Vorgänger Gernot Lindner aus Salzburg.

Ein internationales Publikum verfolgte die Wahl des neuen Mister Leather Austria

Wahl zum Mister Fetish Austria 2017
Gernot Lindner

„So ein internationales Publikum gab es noch nie in Wien bei VFS“ freut sich Christian Schreiber, Präsident der LMC Vienna. Insgesamt 26 aktive oder ehemalige Titelträger aus ganz Europa waren bei den Veranstaltungen anwesend. Sie kamen aus Belgien, Deutschland, den Niederlanden, Frankreich, Italien, Polen, Ungarn, Spanien und der Schweiz. Natürlich waren auch alle bisherigen österreichischen Titelträger sowie der amtierende Mr. Bear Austria anwesend.

Die internationale Beliebtheit der Veranstaltung spürte man dann auch im „Hard On“, dem Clublokal der LMC Vienna. Eng zusammengedrückt schwitzten mehrere hundert Fetisch-Begeisterte und verfolgten die spannende Wahl.

Erster großer Auftritt bei der Regenbogenparade

Wahl zum Mister Fetish Austria 2017
Gernot Lindner

Erstmalig waren auch die Schwestern der perpetuellen Indulgenz (die Schwestern Olga Müller und Margot Hoover) anwesend, die alle Titelträger begrüßten und nach der Wahl die Segnung des neuen Mr. Leather Austria 2017 mit viel Glitzer vorgenommen haben.

Tags darauf ging es dann noch auf der Regenbogenparade in großer Gruppe mit Fahnen durch Wien. Ich habe unseren frisch-gebackenen „Mister Leather Austria“ für euch zum Interview gebeten:

Wie war der Wahlabend für dich?

Sehr interessant, muss ich ehrlich sagen. Die Veranstaltung war sehr super – super Stimmung, voll und sehr heiß. Die Leute haben die Kandidaten super unterstützt und bis zum Ende aussprechen lassen. Ich möchte mich an dieser Stelle auch noch bei meinen beiden Mit-Kandidaten Jo und Manuel bedanken. Wir haben uns von Anfang an super verstanden und waren mehr Mitstreiter als Kontrahenten. Das zeigt, wie eng die österreichische Community ist und wie gut sie zusammen arbeitet.

Und das Ergebnis?

Ich habe das am Anfang gar nicht gecheckt. Ich war baff. In dem Moment konnte ich es nicht einschätzen. Erst als du mir die Schärpe umgehängt hat, habe ich es realisiert.

Wie gehts dir jetzt?

Es geht mir voll super. Ich bekomme Unmengen von Zuschriften und Gratulationen. Es ist aber auch eine große Verantwortung, vor der ich irrsinnigen Respekt habe. Meine Vorgänger – du und Thorsten – haben die Latte ja sehr hoch gelegt. Aktuell bereite ich die ersten Termine vor. Recht bald schon in Europa und eventuell sogar international. Aus Amerika sind schon zwei Einladungen dabei…

Es ist wie ein Rollercoaster, nur geht der die ganze Woche.

Was hat sich verändert?

Neben dem ganzen Social-Media-Wahnsinn? Man läuft stolzer durch die Gegend. Ich bin noch immer der gleiche. Es ist wie ein Rollercoaster, nur geht der die ganze Woche. Das VFS-Wochenende war irrsinnig intensiv von den Gefühlen her. Die vielen internationalen Gäste, die neuen Bekanntschaften und dann die Gäste am Ende verabschieden und dann wieder alleine dasitzen…

Was sagt die „First Lady“?

Er ist absolut begeistert. Ich habe auch den Support der ganzen Familie. Ich glaube, er weiß genau, dass ich ihm irgendwann mal auf den Arsch gehen werde. Das versteht auch die alte First Lady (Marios Freund Wolfi, in der Community als „Sissi“ bekannt, Anm.) – der hat uns schon davor gewarnt (lacht).

Was sind deine nächsten Ziele?

Ich möchte die lokalen CSDs unterstützen und das „Pride Boat“ in Salzburg.

Wie schon gesagt: Ich werde zuerst die österreichischen Termine vorbereiten, vor allem die lokalen CSDs unterstützen und das „Pride Boat“ in Salzburg. Ich möchte mich weiterhin für die „Ehe gleich“ einsetzen, die mir immer schon wichtig war. Vielleicht schaffe ich es, der Kampagne ein frischeres, jüngeres Gesicht geben zu können.

Vom LMC aus überlegen wir, neben den großen Events VFS und „Wien in Schwarz“ gemeinsam mit meinem Mann eine Bears & Bulls-Party zu veranstalten. Einer der ersten europäischen Termine wird die WorldPride in Madrid sein.

Was macht für dich den „Mister Leather Austria“ aus?

Grundsätzlich ist der „Mister Fetish“- und „Mister Leather Austria“ eine Institution, die von einer Person – in dem Fall jetzt mir – verkörpert wird. Wichtig für mich ist präsent zu sein und auf jeden Fall die Communities lokal, also in Wien und den Bundesländern, zu unterstützen. Alles andere kommt dann mit der Zeit.

Wie wichtig ist für dich Safer Sex und wie stehst du zu PrEP?

Safer Sex ist wichtig: Ich verwende Kondome und gehe regelmäßig zum Test

Safer Sex ist für mich immer schon wichtig gewesen, außer mit meinem fixen Partner. Ich verwende Kondome als Schutz und gehe regelmäßig zum Test. Die PrEP (Ein zur Vorbeugung regelmäßig eingenommenes Medikament, das vor HIV Ansteckung schützten kann, Anm.) wäre sehr interessant, wenn es in Österreich leistbar wäre. 800 Euro im Monat für eine Person ist viel. Wenn man sich überlegt, wie viel eine HIV-Therapie kostet, sollte PrEP wie in anderen Ländern über die Krankenkasse verfügbar sein.

Was bedeutet für dich Brotherhood?

Family – und dass ich für jemanden da bin. Egal wo er wohnt, in derselben Stadt oder auch zum Beispiel im Ausland. Man kann nicht allen helfen, aber man kann für jemanden da sein.

Wie siehst du die österreichische Fetisch-Community?

Die LMC Vienna hat schon 3.500 Mitglieder und ist somit der größte LGBTIQ-Verein in Österreich.

Ich sehe sie im Wachsen. Im Vergleich vor Jahren, als wir weggezogen sind, und seit der drei Jahre, wo ich wieder da bin, ist die österreichische Fetisch-Szene sehr gewachsen. Die LMC Vienna hat schon 3.500 Mitglieder und ist somit der größte LGBTIQ-Verein in Österreich.

Wie erlebst du die Fetish-Szene in den Bundesländern?

Ich war außer in Salzburg bei den zum ersten Mal durchgeführten Vorwahlen in den Bundesländern. Es ist echt voll super. Gernot und Thorsten haben diese ins Leben gerufen. Ich finde, diese Veranstaltungen gehören weiterhin unterstützt weil sie auch eine Art Kontrast zur sehr lange bestehenden Wiener Szene setzen.

Salzburg und Linz sind eher klein und familiär. Aber sehr lustig – hier redet jeder mit jedem (und mehr). Graz hat ein mehr durchmischtes Publikum. Hier trifft Fetisch auf Regelbarbesucher, Mann auf Frau – das „Basement“ in Graz findet da eine sehr gute Mischung. Und nicht zuletzt Innsbruck. Die HOSI Innsbruck steckt sehr viel Arbeit und Liebe in die Veranstaltung. Es war mein erstes Barbecue bei einer Fetisch-Veranstaltung (lacht).

Vielen Dank Tom und ich wünsch dir von Herzen alles Gute für dein Jahr als Mister Leather Austria 2017!