Deutschland: Schwules Flüchtlingspaar in Unterkunft attackiert

Der mutmaßliche Angreifer ist wieder auf freiem Fuß - das Paar im Krankenhaus

Polizei
Symbolbild - Fotolia

Ein schwules Flüchtlingspaar aus Serbien ist in einem deutschen Flüchtlingscamp von einem Mitbewohner angegriffen und ernsthaft verletzt worden. Das berichtet der Aktivist Javid Nabijew, Gründer der Organisation „Queer Refugees for Pride“.

Das Paar wurde in Serbien von der eigenen Familie verfolgt – und ist auch im Camp nicht sicher

Die beiden Männer sind aus ihrer Heimat geflüchtet, weil sie wegen ihrer Homosexualität von ihren eigenen Familien verfolgt wurden. Wo sie jetzt untergebracht sind, möchten sie nicht öffentlich sagen: Sie haben Angst, dass in Deutschland lebende Familienmitglieder sie finden könnten

Nach dem homophoben Übergriff
Queer Refugees for Pride/Facebook

Doch auch in der Flüchtlingsunterkunft sind sie nicht sicher: „Zuerst haben sie uns verprügelt, das zweite Mal haben sie uns mit einem Messer attackiert, und diesmal haben sie meinem Mann das angetan – im Camp, wo sie uns Sicherheit versprechen und uns die Securities schikanieren und andere Asylwerber verprügeln, weil wir homosexuell sind“, zitiert Nabijew einen der beiden Männer.

Offenbar wurden die Männer heftig verprügelt, ein Foto zeigt einen der Männer blutend. Genauere Informationen zum Vorfall und der Schwere der Verletzungen gibt es nicht. „Sie wären fast gestorben“, erklärt Nabijew in einem emotionalen Video, mit dem er auf den Vorfall aufmerksam machen möchte. Einer von ihnen müsste nach dem Angriff operiert werden. Die beiden Männer würden im Krankenhaus bleiben, dort seien sie sicher, erklärt der Aktivist.

Der mutmaßliche Angreifer wurde nach der Vernehmung wieder ins Heim gelassen

Zwar wurde die Tat von der Polizei aufgenommen und der mutmaßliche Täter einvernommen – doch mittlerweile ist er wieder auf freiem Fuß. „Und dann frage ich mich, wo hier Gerechtigkeit ist, und wo sind meine Menschenrechte? Ich habe sie nicht in meinem Land und ich habe sie nicht einmal hier“, so der serbische Asylwerber.

Nabijew kritisiert in seiner Videobotschaft, dass die beiden Männer aufgrund der hohen bürokratischen Hürden nicht in ein anderes Flüchtlingsheim überstellt wurden – trotz der offensichtlichen Gefährdung und mehreren Anfragen in den letzten Wochen. Er fordert unter anderem, dass LGBTI-Flüchtlinge besonders geschützt werden müssten, beispielsweise in eigenen Heimen.