Nach Drohung von Ethikminister: Uganda Pride abgesagt

Polizisten umstellten das Hotel, in dem die Eröffnungsgala stattfinden sollte

Simon Lokodo
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Eigentlich hätten gestern Abend in Kampala, der Hauptstadt von Uganda, die Pride-Feierlichkeiten mit einer Eröffnungsgala im Sheraton Hotel starten sollen. Doch daraus wird nichts: Die Veranstalter haben kurz zuvor bekanntgegeben, alle Pride-Events abzusagen. Ein Grund dafür: Wenige Stunden vor Beginn der Gala hatte die Polizei das Hotel umstellt und drohte, alle Teilnehmer festzunehmen.

Die Gala mit 300 internationalen Teilnehmern musste abgesagt werden

„Ich bin erschüttert, dass dieser wunderbare Moment des Zusammenhalts wieder einmal ungerechterweise verhindert wurde“, so Pride-Organisator Isaac Mugisha in einer ersten Stellungnahme. Für die Gala wurden 300 Gäste aus Uganda und aller Welt erwartet, darunter auch Vertreter ausländischer Botschaften wie den Niederlanden, Schweden und den USA.

Mugisha kündigte an, trotz der Repressalien weiter für sexuelle Minderheiten in Uganda zu kämpfen. „Unsere Community will mit Würde und Respekt von unserer Regierung und unseren Mitbürgern behandelt werden. Wir werden nicht ruhen, bis dieses Ziel erreicht ist“, gibt er sich nach der Absage kämpferisch. Aus Sicherheitsgründen wurden aber zunächst alle Veranstaltungen abgesagt.

Ethikminister und Ex-Priester Simon Lokodo kämpft mit allen Mitteln gegen sexuelle Minderheiten in Uganda

Für den Druck auf die Veranstalter dürfte Ethikminister Simon Lokodo verantwortlich sein. Lokodo war römisch-katholischer Priester, bevor er von Papst Benedikt XVI. exkommuniziert wurde. Er kämpft seit Jahren gegen die Rechte sexueller Minderheiten. So hatte er unter anderem behauptet, Lesben und Schwule seien generell „schlechte Menschen“, die „unser aller Leben“ ruinierten. Pride-Veranstaltungen sind für ihn Teil einer westlichen Kampagne, um die afrikanische Kultur zu vernichten.

Und so dürfte Lokodo auch dieses Jahr wieder alles getan hat, um die Feierlichkeiten zu verhindern. „Simon Lokodo hat uns die letzten Wochen hinweg mit Verhaftung gedroht und hat sogar seine Absicht deutlich gemacht, eine unserer Anführerinnen körperlich anzugreifen, wenn er sie treffen würde“, schreibt das afrikanische LGBT-Portal „Kuchu Times“.

In der Vergangenheit löste der streitbare Minister LGBT-Treffen auch selbst auf

Dass seine Drohungen durchaus ernst zu nehmen sind, hat Simon Lokodo bereits im Jahr 2012 bewiesen: So hat er eine LGBT-Veranstaltung verhindert, indem er persönlich mit Polizisten in dem Hotel auftauchte, in dem die Veranstaltung stattfinden sollte. „Ich habe diese Konferenz geschlossen, weil sie illegal ist. Wir akzeptieren Homosexualität in Uganda nicht. Also geht zurück nach Hause“, sagte er damals den Aktivisten.

Bereits im letzten Jahr verhinderte die Polizei nach einer Drohung von Lokodo mit Waffengewalt einen geplanten Marsch von LGBT-Vertretern am Viktoriasee. Die Beamten drohten, alle Teilnehmer an der Veranstaltung festzunehmen. Zuvor konnte die Veranstaltung vier Jahre lang an einem vorab geheim gehaltenen Ort stattfinden.

Bei der Polizeiaktion verletzte sich ein junger Mann, weil er aus Angst vor einer polizeilichen Vernehmung aus dem fahrenden Bus sprang. „Sie sind traumatisiert“, erklärte der Menschenrechtsaktivist Frank Mugisha. Die Teilnehmer wurden danach freigelassen, so der Aktivist.

Gleichgeschlechtlicher Sex kann in Uganda lebenslange Haft bedeuten

Gleichgeschlechtliche Handlungen können in Uganda mit lebenslanger Haft bestraft werden. Ein entsprechendes Gesetz aus der britischen Kolonialzeit wurde im Jahr 2000 verschärft. Der Versuch, für Homosexualität die Todesstrafe einzuführen, scheiterte vor allem an der harschen internationalen Kritik.

Uganda ist eines der Schwerpunktländer für die österreichische Entwicklungszusammenarbeit. Dort setzt man seit Jahren auf Dialog und möchte die Hilfe nicht von einem Ende der homophoben Politik abhängig machen.