CIA-Chef erzwingt Rückzug von Chelsea Manning in Harvard

Als Gastlektorin hätte sie Politik-Studenten die Sicht auf die Welt aus ihrer Perspektive geben sollen

Chelsea Manning
Chelsea Manning/Twitter

Die international anerkannte Harvard University hat ein Angebot an Chelsea Manning zurückgezogen, als Gastlektorin zu arbeiten. Grund dafür ist eine Beschwerde von CIA-Direktor Mike Pompeo, der deshalb auch einen Vortrag an der Universität abgesagt hat. Das berichtet der britische „Guardian“.

Mike Pompeo bezeichnet Manning als „Verräterin“ und ist empört, dass die Universität sie ehrt

Manning war eingeladen worden, als eine von zehn Vortragenden am Donnerstag bei der in Harvard angesiedelten John F Kennedy School of Government einen Vortrag als Gastlektorin zu halten. Unter den anderen Eingeladenen war unter anderem auch Sean Spicer, der ehemalige Pressesekretär des Weißen Hauses.

Pompeo hätte ebenfalls auf der Kennedy School einen Vortrag halten sollen, und zwar über die globale Sicherheitslage. Den hat er aber am Donnerstag abgesagt und die Einladung an Manning als „beschämendes Zeichen der Anerkennung“ bezeichnet.  In einem Brief an die Universität bezeichnete Pompeo Manning als „amerikanische Verräterin“.

Auch der ehemalige stellvertretende Direktor der CIA, Mike Morell, zog sein Gastlektorat in Harvard wegen Manning zurück. „Ich kann nicht Teil einer Organisation – der Kennedy School – sein, die eine verurteilte FELON und Verbreiterin geheimer Informationen ehrt“, schrieb er. Wenige Stunden später hat die Universität Manning das Gastlektorat entzogen.

Universität macht einen Rückzieher und entzieht Manning das Gastlektorat

„Ich glaube jetzt, dass es ein Fehler war, Chelsea Manning als Gastlektorin zu nominieren, und ich erkläre mich dafür verantwortlich.“, erklärte daraufhin der Dekan der Schule, Douglas Elmendorf. Bei der Einladung an Chelsea Manning ging es darum, dass sie Studenten die Möglichkeit hätten, „mit Menschen zusammenzutreffen, die ein fundamental anderes Bild der Welt“ hätten.

Er betonte, dass der Titel keine Ehrenbezeugung wäre, sondern eher eine Bezeichnung für Leute, die regelmäßig an der Schule seien. Deshalb „ziehen wir die Einladung – und die für einige damit verbundene Ehre – an sie, als Gastlektorin zu arbeiten, zurück, während wie die Einladung aufrechterhalten, einen Tag an der Kennedy School zu verbringen und im Forum der Schule zu sprechen“, so Elmendorf weiter.

Manning nimmt die Ausladung sportlich. Sie twitterte, dass sie „geehrt“ sei, „die erste ausgeladene Transfrau“ bei einem Gastlektorat in Harvard zu sein: „Sie bringen Stimmen von Randgruppen unter dem Druck der CIA zum Schweigen“, schrieb sie weiter.