Kindesmissbrauch: Australischer Kardinal muss vor Gericht aussagen

Ab März 2018 findet eine mehrwöchige Anhörung zu dem verstörenden Fall statt

George Pell
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Der römisch-katholische Kardinal George Pell muss sich vor der australischen Justiz einer umfassenden inhaltlichen Anhörung wegen des Verdachts auf Kindesmissbrauchs stellen. Das hat das zuständige Gericht heute beschlossen. Dem Berater des Papstes wird vorgeworfen, junge Burschen sexuell belästigt zu haben. Er selbst bestreitet alle Vorwürfe. Für ihn gilt die Unschuldsvermutung.

Das Beweismaterial reicht für eine Vorverhandlung, beschloss das Gericht

In einer nur 20 Minuten dauernden Sitzung beschloss das zuständige Amtsgericht in Melbourne heute, dass das vorliegende Beweismaterial die Eröffnung einer Vorverhandlung rechtfertige. In dieser Vorverhandlung, dem „committal hearing“, geht es um die Beweisaufnahme, rund fünfzig Zeugen sollen dabei ab dem 5. März 2018 aussagen, darunter auch Kardinal Pell.

Danach entscheidet ein Untersuchungsrichter aufgrund der Aussagen und dem vorliegenden Beweismaterial, ob gegen den 76-jährigen Pell ein Hauptverfahren wegen Kindesmissbrauchs eröffnet wird. Er selbst bestreitet alle Vorwürfe entschieden. Der ehemalige Erzbischof von Melbourne und Sydney ist der ranghöchste Geistliche der römisch-katholischen Kirche, der sich bisher einem Missbrauchsverfahren stellen muss.

Als junger Priester soll George Pell Burschen sexuell missbraucht haben

Ihm wird vorgeworfen, als junger Priester junge Burschen sexuell missbraucht und den Missbrauch anderer Geistlicher gedeckt zu haben. Zwei Männer beschuldigten den heute 76-Jährigen, sie in den 1970er-Jahren in einem Schwimmbad sexuell missbraucht zu haben. So soll er ihnen während dem Schwimmen immer wieder an die Genitalien gegriffen haben.

Ein weiterer Mann berichtete, Pell habe sich in den 1980er-Jahren vor drei Burschen im Alter von acht bis zehn Jahren in einem Umkleideraum am Strand entblößt. Zu dieser Zeit war er bereits Weihbischof der Diözese Melbourne. Auch während seiner Zeit als Priester in der einem Vorort von Ballarat von 1976 bis 1983 und als Erzbischof von Melbourne gab es immer wieder Gerüchte, er habe mehrere Burschen sexuell belästigt.

Der hochrangige Kardinal bestreitet alle Vorwürfe

George Pell bestreitet alle Vorwürfe gegen ihn. Sein Anwalt Robert Richter kündigte heute an, die Verteidigung werde beweisen, dass einige der Dinge, die seinem Mandanten vorgeworfen werden, niemals stattgefunden hätten. Im Jahr 2002 war Pell bereits von einer kircheninternen Untersuchungskommission der Erzdiözese Melbourne aus Mangel an Beweisen von einem Missbrauchsvorwurf freigesprochen worden.

Wie schon beim Beginn des Verfahrens Ende Juli war Pell auch am Freitag vor Gericht persönlich anwesend. Bei seiner Ankunft vor dem Gebäude in Melbourne wurde der ehemalige Finanzchefs des Vatikans von Demonstranten erwartet und beschimpft, berichten australische Medien. „Es ist egal, wie weit oben man im Baum sitzt oder wie viel Geld man hat – niemand steht über dem Gesetz“, so ein Demonstrant.