Britische Boulevardzeitung outet schwulen Jungkonservativen

Bevor die Fotos in der "Daily Mail" erschienen, wusste nicht einmal seine Familie, dass der 19-Jährige schwul ist

Daily Mail
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Diese Geschichte ging wohl gehörig in die Hose: Unter dem Titel „Nicht sehr konservatives Verhalten!“ berichtete die britische Boulevardzeitung Daily Mail am letzten Mittwoch über das Verhalten der Jugend-Delegierten des Konservativen-Parteitags in Manchester – und outete dabei einen 19-Jährigen gegen seinen Willen bei seiner Familie.

Kein großer Skandal – nur Jugendliche, die sich aufführen wie Jugendliche

Den ganz großen Skandal, den sie sich erwartet hatten, haben die Reporter des Blattes wohl nicht aufgedeckt – prinzipiell beschrieb der Artikel, dass die jungen Konservativen in Manchester das gemacht haben, was wohl die meisten jungen Leute machen, wenn sie gemeinsam unterwegs sind: Alkohol trinken, Karaoke singen oder tanzen.

Und herumknutschen – eines der Bilder das Daily Mail zeigte zwei junge Männer, die sich küssen und Händchen halten. „Zwei Männer küssen sich auf den Straßen von Manchester, wenn die jungen Tories während des Parteitags das Beste aus ihrer Zeit in der Stadt herausholen.“

Für einen 19-Jährigen werden die Fotos in der Zeitung zur persönlichen Katastrophe

Allerdings: Einer der beiden Burschen, ein 19-jähriger Delegierter für den Parteitag der Konservativen, war zu Hause nicht geoutet. Nun lebe er in Angst, sagt er dem britischen LGBT-Portal PinkNews: „Ich fürchte mich davor, das Haus zu verlassen, weil ich Angst habe, was die Leute sagen könnten.“ Denn er habe lange mit psychischen Problemen zu kämpfen gehabt –  und fürchtet sich nun: „Ich glaube, ich falle wieder in eine Krise zurück.“

Denn die Bilder haben sich in seiner persönlichen Umgebung verbreitet wie ein Lauffeuer – auch bei seiner Familie, bei der er nicht geoutet war. „Meine Großeltern haben sie gesehen, meine Eltern, meine Freunden, meine Arbeitskollegen. Ich habe den ganzen Tag schikanierende Nachrichten bekommen. Ich habe sie nicht gelesen, ich wage nicht daran zu denken, was sie sagen“, so der junge Mann zu Pink News.

„Mein Vater nimmt meine Anrufe nicht mehr an“, ist der junge Mann verzweifelt

Und er spürt schon die ersten Auswirkungen der Fotos: „Mein Vater, der oft mit mir redet, nimmt meine Anrufe nicht mehr an. Meine Großeltern haben mit mir nicht mehr als zwei Worte gewechselt, seit sie es an diesem Morgen gesehen haben“, ist der junge Mann verzweifelt.

Dass ihm ein Fotograf der Daily Mail gefolgt sei, habe der 19-Jährige nicht bemerkt. „Ich habe plötzlich Nachrichten von einem Freund bekommen, der gefragt hat, ob ich das bin, und dann hat er mir einen Link geschickt. So habe ich das erste Mal davon erfahren.“

Konservativer Abgeordneter ist über die Vorgehensweise der Zeitung empört

Für Mike Freer, Abgeordneter der Konservativen im britischen Parlament, ist das Verhalten der Zeitung inakzeptabel. „Es ist falsch, dass die Daily Mail einen Schwulen oder eine Lesbe outet und die vielen homosexuellen Parteiaktivisten sollten in der Lage sein, an einem Parteitag teilzunehmen und das wie jeder andere Delegierte zu genießen. Kein Delegierter, homo- oder heterosexuell, sollte Angst davor haben, dass eine Boulevardzeitung ihn heimlich fotografiert.“

Die Daily Mail hat zu dem Vorfall bis jetzt keine Stellung genommen – aber zumindest die Fotos mit dem 19-Jährigen nachträglich aus der Online-Ausgabe entfernt.