Indonesien: 58 Verhaftungen bei Razzia in Schwulensauna

Lokale Behörden machen immer öfter, was Islamisten von ihnen wollen

Indonesien
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Bei einer Razzia in einer bekannten Schwulensauna in Jakarta, der Hauptstadt von Indonesien, sind am Freitagabend gegen 22.00 Uhr insgesamt 58 Männer festgenommen worden. Das bestätigte Polizeisprecher Raden Argo Yuwono. Am Samstag wurden die Männer öffentlich der Presse präsentiert.

Die Razzia sei nach „Hinweisen aus der Bevölkerung“ erfolgt, so der Polizeisprecher weiter. Dabei gilt die im Jahr 2015 eröffnete T1 als bekannteste einschlägige Location in der indonesischen Hauptstadt. Unter den Festgenommenen waren den Berichten zufolge auch ein Niederländer, vier Chinesen, ein Mann aus Singapur, einer aus Malaysia und ein Thailänder.

„Anti-Pornografie-Gesetz“ könnte Sauna-Betreiber sechs Jahre hinter Gitter bringen

Wegen eines Verstoßes gegen das Anti-Pornografie-Gesetz sollen der Besitzer der T1 Sauna und vier Angestellte, als Verdächtige verhaftet worden sein, nach einer weiteren Person werde gefahndet. Den Männern drohen bis zu sechs Jahren Haft.  Die Polizei erklärte den anwesenden Medienvertretern, die Sauna habe nur als Tarnung für sexuelle Aktivitäten gedient. So hätten die Mitarbeiter Kondome und Gleitgel ausgehändigt. Ein entsprechender Betrieb sei illegal.

Ob auch die anderen Männer vor dem Richter landen, ist unklar. Denn eigentlich ist Homosexualität in Indonesien – mit Ausnahme der konservativ-muslimisch dominierten Provinz Aceh – nicht strafbar. Deshalb werden schwammig formulierte Gesetze wie das 2008 eingeführte „Anti-Pornografie-Gesetz“ bemüht, wenn es darum geht, sexuelle Minderheiten zu unterdrücken.

Die Lage für sexuelle Minderheiten in Indonesien verschlechtert sich zusehens

Erst im Mai waren bei einer ähnlichen Razzia in Jakarta 141 Männer festgenommen worden. Ebenfalls im Mai waren in der zweitgrößten Stadt Surabaya 14 schwule und bisexuelle Männer nach dem Anti-Pornografie-Gesetz festgenommen worden. Im November nahm die Polizei in Jakarta 13 Männer fest, die eine Privatparty gefeiert hatten – nachdem Islamisten das Fest gestürmt hatten.

Andreas Harsono, Sprecher der indonesischen Sektion der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) kritisierte deshalb die Razzia. Die Festnahmen seien „Teil der seit Jänner 2016 andauernden Kampagnen gegen Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transgender in Indonesien“, so Harsono. Er forderte die Freilassung aller Männer.

Feindseligkeiten gegenüber sexuellen Minderheiten nehmen in dem südostasiatischen Land in letzter Zeit zu. Konservative Politiker und Minister sowie einflussreiche islamische Gruppierungen wetterten öffentlich gegen Homosexuelle.