Bis zu 80 Prozent weniger HIV-Neudiagnosen in Londoner Spezialklinik

Elf statt 72 Neudiagnosen im Monat: Ein wichtiger Schritt nach vorne im Kampf gegen HIV

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Die Zahl der HIV-Neudiagnosen ist in der Londoner Spezialklinik „56 Dean Street“, der größten in Europa, in den letzten zwei Jahren um 80 Prozent zurückgegangen. Das berichtet das britische Online-Portal PinkNews. Die Zahl der HIV-Tests in diesem Zeitraum blieb stabil.

Besonders unter schwulen und bisexuellen Männern sinkt die Zahl der Neudiagnosen deutlich

So wurden im Mai 2015 noch 72 HIV-Infektionen erstmals diagnostiziert, im September waren es nur mehr elf. „Der Rückgang an Neudiagnosen ist vor allem auf schwule und bisexuelle Männer zurückzuführen, und es ist wichtig, dass andere Risikogruppen wie Frauen, ethnische Minderheiten oder Transgender, auch über die PrEP oder andere Präventionsmaßnahmen Bescheid wissen“, erklären die Wissenschafter Nneka Nwokolo und Alan McOwan. Sie hoffen, dass es einen Tag keine neuen HIV-Diagnosen mehr geben werde.

Diese Zahlen von „56 Dean Street“ passen gut zu den letzten offiziellen Statistiken über HIV in Großbritannien. Demnach ist die Zahl der HIV-Neuinfektionen im gesamten Land im Vergleich von 2015 zu 2016 um 18 Prozent gefallen, in London ist die Zahl der Neuinfektionen sogar um 29 Prozent gefallen. Für das staatliche Gesundheitssystem sind diese Zahlen „die erfreulichste Entwicklung der HIV-Epidemie im Vereinigten Königreich in den letzten 20 Jahren“.

Regelmäßige Tests, schnelle Behandlung und PrEP zur Vorbeugung als Säulen im Kampf gegen HIV

Für diesen Rückgang dürften drei Faktoren verantwortlich sein: Erstens, die stabil hohe Anzahl an HIV-Tests, die dazu führen, dass Infektionen früher erkannt und behandelt werden. Zweitens, die Behandlung von HIV-Infektionen, die Betroffenen nicht nur ein normales Leben ermöglichen – sondern auch eine Weitergabe des Virus unter normalen Umständen verhindern.

Dritter Faktor für den Rückgang an neu entdeckten HIV-Infektionen ist die hohe Zahl schwuler und bisexueller Männer in Großbritannien, die eine PrEP nutzen: Durch die vorbeugende Einnahme bestimmter Wirkstoffe kann eine HIV-Infektion in den meisten Fällen verhindert werden.

Mittlerweile gibt es eigene Webseiten, die Links zu vertrauenswürdigen Generika-Herstellern anbieten, wodurch die PrEP für viele Betroffene leistbar wird. Denn der staatliche Gesundheitsdienst NHS zahlt die HIV-Prophylaxe nach wie vor nicht – und wartet derzeit die Ergebnisse einer dreijährigen Studie ab.