Zum 75. Geburtstag: Papst nimmt Rücktrittsgesuch von Weihbischof Laun an

Eine Annahme durch des Vatikans gilt als Formsache - auf den streitbaren Homo-Hasser dürfte ein Pragmatiker folgen

Andreas Laun
Josef Kuss/Bischofskonferenz

Der Salzburger Weihbischof Andreas Laun, vom Privatsender PULS 4 einmal als „Ungustl-Bischof“ bezeichnet, feiert heute seinen 75. Geburtstag. Dazu hat er Papst Franziskus traditionsgemäß schon vor einigen Tagen seinen Rücktritt aus Altersgründen angeboten. Dieser hat ihn heute angenommen, wie das tägliche „Bollettino“ des Vatikanischen Pressedienstes berichtet.

Damit tritt einer der schärfsten Kritiker an LGBT-Rechten unter den deutschsprachigen Katholiken von seinem Amt zurück. Andreas Laun wurde 1995 zum Weihbischof der Erzdiözese Salzburg ernannt.

„Traurig bin ich über jene Niederlagen, die mir Leute un der Kirche zugefügt haben“

Er habe den Heiligen Vater „nicht zuletzt über meine gesundheitliche Situation informiert und um Entpflichtung gebeten“, so Laun gegenüber dem Pressedienst der Erzdiözese Salzburg. Eine Spur von Einsicht gibt es bei dem 75-Jährigen nicht. „Wirklich traurig bin ich über jene Niederlagen, die mir Leute der eigenen Kirche zugefügt haben. Kurz gesagt: Wenn ich als Bischof das Wächteramt ernst nahm, wurde ich nicht selten diffamiert und bekämpft“, fügt Laun, der schon einmal Homosexuellen ein „Recht auf Heilung“ zusprach, hinzu. Immerhin könnten seiner Meinung 40 Prozent der Lesben und Schwulen von ihrer Homosexualität „geheilt“ werden, glaubt er.

Was er darunter versteht, sein „Wächteramt ernstzunehmen“, haben auch Lesben und Schwule in den letzten Jahren oft erstaunt feststellen müssen. Zuletzt hat Andreas Laun im März in einem „Hirtenbrief“, der im konservativen Portal kath.net erschienen ist, Homosexuelle unter anderem als „gestörte Männer und Frauen“ mit „anatomischer Missbildung“ bezeichnet. Laun fordere in dem „Hirtenbrief“ die Leser des Portals auch dazu auf, Homosexualität und Genderstudien mit „gottgegebenen Waffen“ zu bekämpfen.

Ein Aufruf, Genderstudien mit „gottgegebenen Waffen“ zu bekämpfen und Klagen über eine „Homo-Diktatur“

Daraufhin haben SPD-Politiker den Bischof und das Portal in Deutschland angezeigt. „Bei solchen menschenverachtenden und hetzenden Äußerungen ist auch strafrechtlich gegen einen Bischof der katholischen Kirche vorzugehen“, so SPDqueer-Politiker Christopher Jäschke. Die HOSI Salzburg folgte dem deutschen Vorbild und brachte bei der Staatsanwaltschaft eine Sachverhaltsdarstellung ein – ohne Erfolg: Von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens sei mangels Anfangsverdachtes abgesehen worden, so die Salzburger Staatsanwaltschaft.

Im November 2014 kam Laun in die Schlagzeilen, als er bei einem Vortrag im Kloster Mariawald bei Köln darüber klagte, dass „dass sich keiner gegen eine solche Homo-Diktatur wehre“. Homosexuelle und Gender-Ideologen hätten ein „totalitäres System“ aufgebaut – „ein Trojanisches Pferd mit wild entschlossenen Kriegerinnen und Kriegern in einem Kampf gegen Kinder, gegen die Familie, gegen die Kirche, die Gottes Ordnung verkündet“, so Laun.

Launs Nachfolger ist schon bestellt – und gilt als Pragmatiker

Dieses „System“ verglich er indirekt mit dem Nationalsozialismus: So würde die heutige Generation ihren Eltern und Großeltern immer wieder vorwerfen, „gegenüber den Untaten der Nazis geschwiegen zu haben. Damals sei es lebensgefährlich gewesen zu reden. Heute sei es noch nicht lebensgefährlich, und die meisten schwiegen trotzdem“, ärgerte sich der Weihbischof.

Die Weichen für die Nachfolge von Andreas Laun hat der Vatikan bereits gestellt: So wurde Ende Mai Generalvikar und Domdechant Hansjörg Hofer ebenfalls zum Weihbischof ernannt. Das Erzbistum hat damit bis zum Rücktritt Launs zwei Weihbischöfe. Mit dem 65-jährigen Hofer hat sich der von Erzbischof Franz Lackner gewünschte Kandidat durchgesetzt. Er gilt als Pragmatiker.