Syphilis-Warnung über SMS: Kampf gegen das Tabu

Eine anonyme Nachricht soll helfen, damit die Zahl der Neuinfektionen sinkt

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Die Telefonnummer eines Dates zu behalten, ist aus vielen Gründen eine gute Idee – unter anderem, um den ehemaligen Sex-Partner im Falle eines Falles darüber zu informieren, dass man mit sich mit einer sexuell übertragbaren Infektion (STI) infiziert hat. In Bochum geht das nun auch anonym.

„Mögliches Gesundheitsrisiko“: Anonyme Nachricht mit der Bitte, sich testen zu lassen

So können Patienten des Zentrums für sexuelle Gesundheit und Medizin „Walk in Ruhr“ ihren Ex-Dates eine SMS oder E-Mail zukommen lassen: „Ein/e Freund_in von Ihnen hat eine Syphilisinfektion und möchte, dass Sie sich testen und behandeln lassen“, ist einer der vordefinierten Texte. Dazu die Telefonnummer des Zentrums.

Auch weitere Formulierungen stehen auf der Homepage von „Walk in Ruhr“ zur Auswahl – so kann man den Empfänger auch nur vage auf ein „mögliches Gesundheitsisiko“ hinweisen. Mit dem SMS-Service will das Gesundheitszentrum ein Tabu brechen, mit dem sexuell übertragbare Infektionen noch immer belegt sind. Die Nachrichten können Betroffene direkt von der Homepage des Zentrums verschicken. Um Missbrauch zu verhindern, ist zum Versenden ein Code notwendig, den Betroffene kostenlos bekommen.

Fast jeder zweite Patient mit einer Geschlechtskrankheit kommt zu spät zum Arzt

Viele Betroffene würden sich nicht trauen, über ihre Beschwerden zu sprechen, sagt Norbert Brockmeyer, Leiter von „Walk in Ruhr“ und Präsident der Deutschen STI-Gesellschaft. Insgesamt komme im Schnitt jeder zweite Patient spät mit seinem Problem zum Arzt, also erst, wenn schon ausgeprägte, teils nicht mehr heilbare Krankheitssymptome aufgetreten seien.

Viviane Bremer, Expertin für sexuell übertragbare Infektionen am Berliner Robert Koch-Institut (RKI), hält die SMS-Warnungen für einen „super Ansatz“. Denn die Zahl der neu entdeckten Infektionen steigt in den letzten Jahren deutlich an. So hatte Schottland im letzten Jahr so viele Syphilis-Fälle wie zuletzt 1952, auch in Deutschland hat sich die Zahl der Fälle verdoppelt –  und 85 Prozent der Fälle betreffen schwule und bisexuelle Männer.

Niederschwelliges Angebot zur Warnung soll die Zahl der Neuinfektionen senken

Deshalb könnten die SMS-Warnungen für Bochum nur ein Anfang sein: „Wir sind sehr daran interessiert, das Angebot auch bundesweit auszubauen“, sagt Brockmeyer. Wenn eine medizinische Einrichtung hinter dem Angebot steht, könnte dies auch das Vertrauen darin stärken.

Ein ähnliches System gäbe es auch in der Schweiz: „Wir haben ein ähnliches Tool bereits im Jahr 2012 bei uns auf der Love-Life-Webseite lanciert und es steht weiterhin zur Verfügung. Fachpersonen sind im Rahmen eines Beratungsgesprächs eingeladen, darauf hinzuweisen“, erklärt Adrien Kay, Mediensprecher des Bundesamtes für Gesundheit, dem Schweizer Newsportal Bluewin.

Auf der Internetseite finden Betroffene Tipps für ein persönliches Gespräch oder Vorlagen für Briefe und SMS. Das SMS müssen Patienten jedoch selber verschicken. Wer anonym bleiben möchte, hat die Möglichkeit, direkt auf der Homepage ein vorformuliertes E-Mail an ehemalige Sexualpartner zu verschicken.